Freitag, 18. November 2016

Reineh und wie es weitergeht (4.9.-8.9.)

Am nächsten Morgen, man glaubt es kaum, ist strahlend blauer Himmel und kein Wölkchen ist über dem Damavand zu sehen. Das ist jetzt schon ziemlich gemein, hätte doch noch einen Tag warten sollen. Aber es ist auch hier unten eisig kalt und das Wasser auf den Regentonnen für das Clo ist gefroren.
Zum Glück kommt aber bald die Sonne und es wird langsam warm. Zum Frühstück gibt es eine Banane und dann packe ich langsam das Zelt und meine ganzen Sachen zusammen. Dann mache ich mich auf den Weg zum Base Camp II in Gusfandsara auf 3000 Metern. Es ist wirklich unglaublich, aber bis Mittag ist da oben keine einzige Wolke zu sehen. Da haben die beiden Truppen ja mächtig Glück gehabt. Allerdings wird es sicherlich noch etwas kälter sein als gestern, wenn es schon unter Null auf 4200 Metern hatte. 
Mahsoud begrüßt mich wie eine alte Bekannte und beglückwünscht mich zu meinem Gipfelerfolg. Er macht erst mal Tee, dazu leckeres Gebäck. Mein Fahrrad und meine ganzen Sachen sind natürlich noch da, habe auch nichts anderes erwartet. Wir beschließen dann, dass meine Sachen mit dem Jeep runter transportiert werden und ich mit dem Rad runterfahre. Allerdings zieht sich das ganze dann noch einigermaßen hin, denn vor dem Mittagessen geht mal gar nichts. Ich setze mich also in die Sonne und schreibe mein Tagebuch. Das finden die vorbeigehenden Jungs ziemlich witzig, wie ich so in die Tasten haue und meine Erklärung "man monshi hastam" (ich bin Sekretärin) ruft allgemeine Erheiterung hervor.
Zum Mittagessen gibt es Reis und eine leckere Tomatensauce mit frittierten Kartoffeln, ein paar Stücke Fleisch mit Knochen (also aufpassen beim Essen), Linsen, genannt wir das ganze choreshte ghaime und schmeckt wirklich lecker. Dazu gibt es noch einen lecker gewürzten Joghurt und torshi. Das sind sauer eingelegte Gurken, Zwiebeln, Blumenkohl, Knoblauch etc. Danach wieder Tee und Kaffee.
Später kommen noch 4 Jungs aus Bulgarien an, die auch auf den Damavand wollen und hier ihr erstes Nachtlager aufschlagen. Natürlich gibt es wieder Tee mit Gebäck. 
Ich bin den Nachmittag damit beschäftigt, die Tourenanfragen, die Mahsoud per e-Mail von allen möglichen Touristen bekommt, auf englisch zu beantworten. Er kann zwar ganz gut englisch sprechen, aber mit dem Schreiben hat er es wohl nicht so. Er sagt mir dann immer in seinen Worten, was er wissen muss und was ich fragen soll. Ich schlage ihm scherzeshalber vor, dass ich doch für ihn arbeiten könnte. Sein Arbeitsplatz ist halt schon der Hammer, tolle Luft, eine Wahnsinns-Aussicht auf die geniale Berglandschaft und Ruhe. Aber mit der Ruhe meint Mahsoud wäre es von Juni - August nicht weit her. Da würde er teilweise 2x am Tag zum Shelter mit den Mulis hochsteigen, weil soviele Touristen herkommen und ihr Gepäck hochgebracht haben wollen. Dazu muss natürlich das sämtliche Essen und Trinken hochgeschleppt werden. Wie man 2x am Tag in der Höhe die 1200 Höhenmeter laufen kann und auch wieder runter, also 4600 Höhenmeter am Tag ist mir ein Rätsel. 2 Stunden braucht Mahsoud zur Hütte hoch. Auf den Gipfel läuft er von da aus nochmal 4 Stunden. 
Es dauert noch bis 18 Uhr, bis ein Jeep kommt, der meine Sachen auflädt. Ich radle mit dem Rad die Schotterstraße schon mal runter bis zum Parkplatz. Wie toll ist das denn ohne Gepäck? Wieder mal wird mir bewusst, dass ich morgen auf jeden Fall einiges aussortieren muss, damit ich mindestens 5 - 10 Kg einspare. Habe mir schon einiges überlegt, das ich heimschicken werde.
Vom Parkplatz geht es dann dem Jeep hinterher immer bergab bis nach Reineh. Das ist eine ganz tolle Downhill-Fahrt. In Reineh wird mein Gepäck vor dem Guesthouse abgeladen, mein Rad und das ganze Gepäck kommen erst mal in einen extra Raum. Mahsouds Sohn sperrt mir die Wohnung auf und sagt "This is your home" und verschwindet wieder. Jetzt sitze ich also in Mahsouds Wohnung und mein Zeug zum Duschen und Umziehen ist in dem extra Raum, zu dem ich jetzt keinen Schlüssel habe. So ein Mist! Als dann Mahsouds Frau heimkommt, komme ich endlich an meine Sachen und kann mich nach 4 Tagen das erste Mal wieder duschen, was für eine Wohltat! Als ich fertig bin, fragt Mahsouds Frau gleich nach meiner Schmutzwäsche und wirft die Waschmaschine an. Als nächstes gibt es Tee, frische Früchte und Gebäck. Als Mahsoud dann heimkommt, wird sofort der Bananenkarton besorgt, in dem ich meine überflüssigen Sachen nach Deutschland schicken kann. Ich sortiere einiges an Klamotten aus, den großen Rucksack, die Solar-Ladestation (ich denke, dass ich mit der Powerbank gut klar komme und man kann sicherlich in jedem Restaurant am Wegesrand fragen, ob man mal schnell sein Handy an den Strom hängen kann), ein paar Tücher, ein Wassersack, meine Bergstiefel, Softshell-Jacke und ein paar Medikamente und Mikropur. 
A propos Mikropur: das Wasser ist hier von einer super Qualität und man kann es bedenkenlos aus dem Wasserhahn trinken. Ich habe das seit 2 Wochen schon so gemacht und mir fehlt absolut gar nichts. Vielleicht haben Leute mit einem schwachen Magen da Probleme. Für Wasser aus Flüssen habe ich ja noch meinen Wasserfilter dabei. 
Bei der Post bekommen wir am nächsten Tag die Auskunft, dass so große Pakete nur in Amol, der nächsten großen Stadt verschickt werden können. Mahsoud sagt mir abends, dass er übernächste Woche sowieso nach Teheran muss und dann mein Paket verschickt. Ich bin gespannt, ob ich den Bananenkarton jemals wiedersehe :-)
Später gehe ich mit Mahsouds Frau zu deren Schwester. Da findet im Keller immer eine lustige Frauenrunde statt. Es wird getratscht, gelacht und natürlich - wie könnte es anders sein - gefuttert. Mir wird dabei immer als erstes was angeboten und kaum sind meine Kauwerkzeuge nicht mehr beschäftigt, heißt es "bochor" (iß!). Die Schwester ist alleinstehend und war auch nie verheiratet, was für Iran äußerst ungewöhnlich ist. Sie ist eine sehr selbstbewusste und bestimmende Frau, die sich absolut nichts gefallen lässt, so mein Eindruck. Sie hat sich eine kleine Backstube im Keller eingerichtet, um für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Dabei wird in zwei riesigen Blechtöpfen, die unten Löcher haben auf dem Gasfeuer das Brot gebacken. Wir kneten also alle den schon vorbereiteten Teig, der dann in kleinen, flachen Fladen an den Rand des Blechtopfes geklatscht wird. Nach ein paar Minuten sind die Brote fertig und können probiert werden. Das Ergebnis ist wirklich sehr lecker, vor allem, wenn sie noch warm sind. 
So verbringe ich also den Tag nochmal in Reineh. Abends will Mahsoud mir unbedingt die "Hot Springs" zeigen. Da kommt aus dem Berg sehr heißes Wasser, auch hier wieder ein Beweis, dass der Damavand noch einiges an Aktivität aufweist. Jetzt stellt man sich die Hot Springs natürlich vor als heiße, natürliche Wasserbecken, die da im Freien sind und ich frage mich schon, wie das hier gehen soll. Ich frage Mahsoud auch extra, ob ich da im Bikini reingehen kann, klar meint er. Na gut, wir fahren also dorthin. Am Eingangsbereich wartet Mahsoud und ich gehe in dem Gebäude die Treppen runter. Hier gibt es einzelne, mit Türen abgetrennte Bereiche, die man als Familien nutzen kann. Das Wasser ist aber dermaßen heiß, dass ich es gerade mal 10 Minuten da drin aushalte. Ich denke wirklich, ich kriege gleich einen Hitzschlag. So ist das Badevergnügen wirklich von sehr kurzer Dauer. Als ich wieder die Treppen zum Empfang hochlaufe, bin ich mir nicht sicher, ob sich das hier nicht um eine etwas dubiose Einrichtung handelt, denn es sind überall Zimmer mit Betten zu sehen. Vielleicht können sich hier unverheiratete Paare zu einem Stelldichein treffen. Auf jeden Fall kommt mir das ganze nicht ganz so koscher vor. 
Am nächsten Morgen lasse ich Mahsoud ein Kuvert da mit Geld für das Paket und für meine Übernachtung, da er mir partout nicht sagen will, wieviel Geld er haben will. Ohne etwas zu zahlen, möchte ich aber nicht los.
Dann belade ich mein Rad, das jetzt ca. 6-7 kg leichter ist und los geht es in Serpentinen runter zur super gefährlichen Haraz-Road. Ich kann es jetzt nicht ändern, ich muss da entlang. Ich bin extra schon um 7 Uhr losgefahren, aber von oben sehe ich, dass da trotzdem schon einiges an Verkehr herrscht. Zum Glück geht es ab da für ca. 50 km nur noch abwärts, denn es ist schon ziemlich ätzend mit dem ganzen Verkehr. Ich bin gottfroh um meinen Rückspiegel am Rad, so sehe ich wenigstens, wenn von hinten mal wieder ein dicker LKW kommt und das ist leider ziemlich oft.
Nun finden es die Iraner super lustig, dauernd zu hupen. Damit kann nun einiges gemeint sein: "Hallo, Achtung ich komme!", "Servus, wer bist Du denn?", mehrmals Hupen, oder die tollen Musikhupen, gepaart mit irgendwas, was mir zugeschrien wird "Viel Kraft, werde nicht müde" etc. Eine Frau klatscht mir Applaus und einige halten an, um ein Foto von der Verrückten zu machen, der Sanitätswagen lässt sein Martinshorn zur Begrüßung aufheulen und auch die entgegenkommende Polizei macht schon mal das Blaulicht an. Und immer lautet die nächste Frage nach der Nationalität, "bist Du alleine hier?". Das ist etwas, was sie überhaupt nicht verstehen können und fragen mich natürlich, wo mein Mann ist. Meine Antwort darauf, ruft auch immer Erheiterung hervor: "Der ist in Deutschland, Geld verdienen!". 
So rolle ich also langsam dem kaspischen Meer entgegen und es wird dabei immer wärmer. 30 km weiter wollte ich eigentlich nochmal einen Abstecher durch die Berge machen, aber dann fällt mir ein, dass jetzt dann bald wieder das persische Wochenende (Donnerstag, Freitag) bevorsteht und ich dann mein Visum nicht mehr verlängert bekommen würde. Das heißt also, dass ich noch heute nach Sari muss, damit ich morgen gleich in der Früh zum Amt gehen kann.
Also geht es weiter auf der gräßlichen Straße. Ich habe schon eine dicke Abgasschicht am Körper, der Staub und Dreck brennt sich förmlich in den Schweiß rein, eine ganz tolle Mischung. Zum Glück kühlt der Fahrtwind etwas. Als ich mal wieder an einem besonders steilen Gefälle bin und schon in der Ferne eine kleine Steigung sehe, gebe ich mal schön Gas, damit ich die Steigung gut schaffe. Da sehe ich ein Polizeiauto, der Polizist hält die Kelle raus. Da hinter mir grade überhaupt kein Fahrzeug ist, wird mir wohl das ganze gelten. So ein Mist, der will mir doch jetzt nicht erzählen, ich wäre zu schnell dran? Außerdem ist jetzt mein ganzer Schwung beim Teufel. Aber den beiden Polizisten ist wohl nur langweilig und sie wollen sich unterhalten. Nach ein paar Minuten Small Talk lassen sie mich weiterfahren.
Von Amol aus geht es dann auf ganz besonders langweiliger Strecke immer geradeaus dem kaspischen Meer entgegen. Wieviel Grad es hat, kann ich nicht sagen (ca. 30) aber es ist wahnsinnig schwül und mir läuft die Sauce runter, sobald ich anhalte. Zum Glück ist es ziemlich bewölkt und es sieht auch nach Regen aus. Na wunderbar, mein Regencape ist dem Gewichts-tabula-rasa zum Opfer gefallen. Aber ich habe Glück und es regnet nicht. Rechts und links der Straße wird Reis angebaut und es kommt mir überhaupt nicht vor, als ob ich in Iran wäre. In Babolsar fahre ich auf einer Stichstraße vor zum Meer, endlich bin ich am kaspischen Meer angekommen. Der Km-Zähler steht auf 100 km, die ich heute schon geradelt bin und Sari ist schon noch ein Stück. Kaum rolle ich in Richtung Strand, bedeutet mir eine Familie, ich soll doch zu ihnen kommen. Auch sie wollen ein Foto mit mir machen und der Familienvater meint, ich sollte doch mit Ihnen nach Hause zum Mittagessen gehen. Ich mache ihm klar, dass ich heute noch nach Sari muss, und keine Zeit habe. Da die Einladung nicht wiederholt wird, hat es sich hier wohl um Taarof gehandelt. Nicht aber die nächste Einladung, die ich in einem Shop, wo ich mir eine eiskalte Coke kaufe, bekomme. Die hier wird öfter wiederholt und ich lehne genauso oft wieder ab. Der Besitzer des Landes möchte mich unbedingt zum Mittagessen mitnehmen und seiner Familie vorstellen. Ich hätte ja schon Lust drauf und Hunger noch dazu, aber ich schaffe das sonst heute nicht mehr. Ich frage ihn, wie weit es noch bis Sari ist und er meint 65 km. Na wunderbar, ich muss weiter, sorry - "cheili mamnun" (vielen Dank) und "chodafez" (Auf Wiedersehen) und ich bin wieder on the road. 
Ich wäre an dem Strand am liebsten gleich ins Wasser gesprungen, aber das hätte ich dann in voller Montur machen müssen und ich habe keine Lust darauf, nachher mit klatschnassen Klamotten zu radeln.  Es geht jetzt immer im Abstand von ca. 500 Metern parallel zum Meer, das man aber nicht zu Gesicht bekommt. Eine fürchterliche, abgasverseuchte Strecke, immer geradeaus. Ein Ort mündet direkt in den nächsten. Ich bin super froh, dass ich meine Locus-Pro Map habe, sonst wäre ich wirklich aufgeschmissen. Mit der weiß ich immer, wo ich bin und wie weit es noch wohin ist. Danke nochmal an Charly, dein Tipp war Gold wert!
Ach, und an Wolfgang habe ich noch eine ganz besondere Info, das wäre hier Dein Land. Ich habe noch nie soviele MB Rundhauber rumfahren sehen und wusste gar nicht, dass es einen 2624er gibt :-) Werde extra für Dich mal ein paar ablichten. 
Alle Leute, die vorbeifahren grüßen freundlich oder fragen aus dem Auto / Motorrad raus, wo ich herkomme. Ich gerate dann an eines der Arschlöcher, die es natürlich auch in Iran gibt. Ein Motorradfahrer, der mich irgendwas auf Farsi fragt, ich sage ihm, dass ich fast kein Farsi kann. Da macht er ein paar unmissverständliche Zeichen und ich ignoriere ihn. Er biegt ab und kommt aber nach ein paar Minuten von hinten wieder daher, labert ständig was von "Sex, Sex!" Ich halte an und bin gespannt, was er macht, dem würde ich jetzt am liebsten so eine scheuern. Aber feig ist er noch dazu und haut ab. Die nächsten Kilometer schaue ich ständig in meinen Rückspiegel, aber er taucht zum Glück nicht mehr auf. 
Später, ich bin schon bei 125 km, halten mich zwei Typen mit einem Auto auf. Einer davon hält mir einen Ausweis vor die Nase (könnte jeder sein auf dem Bild da und könnte man auch super leicht fälschen). Er möchte meinen Pass sehen, klar sonst noch was? Ich stelle mich total blöd und da er fast kein Englisch kann, läuft das ganz gut. Ich zeige ihm meinen Pass nicht, nachher catcht er sich den und weg ist er. Da habe ich schon ein paar Sachen in meinem Buch gelesen. Er wäre die Polizei und fuchtelt weiterhin mit seinem Ausweis vor meiner Nase rum. O.k., dann fahren wir jetzt zur nächsten Polizeistation, da zeige ich ihm gerne meinen Ausweis. Nein, das ginge nicht, denn er wäre nur für diesen Bezirk zuständig. Na, das ist mir doch wurscht. Er ist die Polizei wiederholt er ständig. Ich frage ihn, wo denn seine Uniform und sein Polizeiauto wären. Da labert er was von Sepah, aha die Geheimpolizei also. Könnte sein, die haben keine Uniformen. Ich tue so, als ob ich überhaupt nicht wüsste, was Sepah ist. Außerdem mache ich ihm klar, dass ich seinen Ausweis nicht lesen kann, das könnte sonst was sein und nein, meinen Ausweis zeige ich ihm nicht. Ich biete ihm dann an, dass ich meine Daten wie Name und Geburtsdatum auf ein Stück Papier schreibe. Dazu will er dann ein Foto von mir machen. Von mir aus, das haben heute ja schon viele gemacht. Ich sage ihm, in welchem Hotel in Sari ich sein werde und wenn er ein Problem hat mit mir, soll er es doch der Polizei in Sari sagen, da müsste ich morgen sowieso hin. Der andere Typ hatte sich die ganze Zeit ziemlich zurückgehalten und spielt jetzt den Verständnisvollen und endlich nach 15 Minuten lassen die beiden mich weiterziehen. Wahrscheinlich waren sie tatsächlich vom Sepah, aber wer weiß das schon so genau. 
Mittlerweile tut mir mein Hintern so weh, dass ich gar nicht mehr weiß, wie ich mich auf den Sattel setzen soll. Ein paar Bauarbeiter an einer Baustelle halten mich auf, jeder will ein Foto von mir knipsen. Einer fragt, ob ich gerne Wasser hätte. Au ja, das wäre toll, ich habe zwar noch was, aber das hat sich mittlerweile der Umgebungstemperatur angepasst. Er schickt einen Jungen los, der mir eine 1.5 Liter Wasserflasche mit gefrorenem Wasser bringt. Wow, das ist ja wirklich der Hammer, genial! Ich soll die ganze Flasche mitnehmen. Danke sehr, und weiter geht's. 
Bei ca. 135 km halte ich mal wieder am Straßenrand an, es ist mittlerweile schon 18 Uhr geworden und um 19 Uhr wird es dunkel. Ich habe wirklich keine Lust, im Dunkeln weiter zu radeln. Aber es sind jetzt noch 20 km. Ein Auto hält mal wieder an, wahrscheinlich sehe ich schon total fertig aus. Zwei junge Typen, die recht sympathisch sind, können sehr gut englisch und fragen mich nach dem Woher und Wohin und ob sie mich mitnehmen können. In dem kleinen Auto? Wie soll das denn gehen? Während sie noch diskutieren, hält ein anderes Auto an. Der Fahrer erklärt mir sofort mit einem amerikanischen-Akzent, den er bestimmt geübt hat, um Frauen zu beeindrucken, dass er ein "Bank-Clerk" wäre, der sich ständig mit Geld beschäftigt (ach was?) und er würde auch viel mit deutschen Banken arbeiten. Also das interessiert mich jetzt gar nicht. Er möchte, dass ich mit zu ihm komme, er wohnt zwar genau in der entgegensetzten Richtung, aber morgen würde er mich dann nach Sari fahren. Nein, danke! Der Typ ist mir so unsympathisch wie nochmal was. Als ich zufällig zu dem Fahrer des anderen Autos schaue, zeigt er auf ihn und schüttelt den Kopf, hat wohl denselben Eindruck von dem Vogel, wie ich. Ich sage ihm dann, dass ich auf jeden Fall heute noch nach Sari radle. Ich geh doch nicht mit irgendeinem Typen mit. Die anderen beiden haben dann die Idee, mein Gepäck aufzuteilen und mich mit zwei Autos nach Sari zu fahre. Nein, das ist mir auch nicht so recht. Während Mr. Bank-Clerk sich von dannen schleicht, hat wohl kapiert, dass das nichts wird mit mir, erzähle ich den anderen beiden Typen, dass ich heute schon so ein paar schlechte Erfahrungen gemacht habe und sie mögen es mir nicht übel nehmen, aber ich werde weiter radeln. Einer der beiden gibt mir seine Nummer, wenn ich irgendwelche Probleme hätte, oder ich heute Abend noch was essen gehen wollen würde etc. dann soll ich ihn doch anrufen.
Als ich bei km 156 endlich vor dem Hotel ankomme, bin ich fast nicht mehr fähig, meine Taschen hochzuschleifen. Das Hotel Sarouye ist das günstigste Hotel am Platze und ich zahle für ein Einzelzimmer 20€. Ich bekomme sogar ein Zimmer mit Klimaanlage, was ich schon gar nicht mehr zu hoffen gewagt hatte, dazu ein westliches Clo :-) - ich bin total erledigt und schaffe es nicht mal mehr, mich aufzuraffen, um essen zu gehen. 
Am nächsten Tag bin ich immer noch nicht fit genug zum Weiterradeln und beschließe, noch eine Nacht in Sari zu bleiben. Dann laufe ich zu dem Amt, das in meinem Buch so schön eingezeichnet ist. Das gibt es aber nicht (mehr). In einem anderen Amt frage ich nach, ob die wissen, wo es ist. Völlig woanders, als in dem Buch angegeben. Da ist jetzt schon das zweite Mal, dass diese Angabe im Buch nicht stimmt. Ich laufe also zu der nächsten Adresse, muss meine Kamera und Handy am Empfang abgeben und einen tschador überwerfen. Keine Ahnung, wie man das unpraktische Teil anlegt. Die Dame am Eingang amüsiert sich köstlich, hilft mir aber dabei. Nach einem smalltalk mit dem Polizisten, Einzahlung von umgerechnet 10€ bei der nächsten Bank und kurzes Vorsprechen beim Vorgesetzten habe ich innerhalb 2 Stunden mein Visum verlängert. Zwar nur nochmal um weitere 30 Tage, aber der Beamte meint, danach könnte ich es problemlos nochmal woanders verlängern. Zurück geht es dann mit dem Taxi. Noch eine weitere Nacht bleibe ich in Sari, da es nochmal regnen soll. Danach will ich über die Berge nach Damghan.
Liebe Grüße Anja 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen