Qom, um es gleich vorweg zu nehmen, ist nicht meine Stadt. Hier sind mir alle viel zu religiös und zugeknöpft und ich fühle mich so gar nicht wohl hier. Um den heiligen Bezirk, in den ich Ungläubige - noch dazu ohne Tschador - sowieso nicht reindarf, läuft wirklich jeder mit Tschador rum. Ich sehe nur ganz vereinzelt Leute, die nur ein Kopftuch tragen. Außerdem habe ich in ganz Iran noch nicht soviele Turbanträger gesehen, wie hier in 10 Minuten in Qom. Hier spricht mich auch kaum jemand an, nur 2 Leute trauen sich. Eine Frau meckert mich sogar an, dass ich hier keine Fotos machen soll und wo überhaupt mein Tschador wäre. Nein, das ist hier gar nichts für mich. Aber die Moscheen, allen voran die Grabmoschee von Fatima ist wirklich ein Traum. Die Kuppel der Moschee ist vergoldet und die Minarette und die zweite Kuppel mit wunderschönen Fayencekacheln verkleidet. Einfach ein Traum, wie aus Tausend-und-einer-Nacht. Durch einen Seiteneingang kann ich auch einen Blick in das Innere erhaschen, einfach wunderschön!
Hier noch eine kleine Geschichte zur Entstehung dieses Heiligtums:
Fatima war die Tochter des 7. Imams und Schwester des 8. Imams Reza. Als sie auf dem Weg von Saveh nach Tus schwer krank wurde, brachte man sie nach Qom, wo sie verstarb. Hier entstand dann ein Heiligtum, das anfangs nur regionale Bedeutung hatte und sich erst im Laufe der Zeit zu eine der heiligsten Stätten entwickelte. Jedes Jahr kommen Millionen von Pilgern hierher, daher ist Qom auch eine sehr reiche Stadt. Viele der Geistlichen, die in diesem Land die Macht ausüben, kommen aus den religiösen Schulen von Qom. Der Berühmteste unter ihnen war selbstverständlich Khomeini.
Fatima war die Tochter des 7. Imams und Schwester des 8. Imams Reza. Als sie auf dem Weg von Saveh nach Tus schwer krank wurde, brachte man sie nach Qom, wo sie verstarb. Hier entstand dann ein Heiligtum, das anfangs nur regionale Bedeutung hatte und sich erst im Laufe der Zeit zu eine der heiligsten Stätten entwickelte. Jedes Jahr kommen Millionen von Pilgern hierher, daher ist Qom auch eine sehr reiche Stadt. Viele der Geistlichen, die in diesem Land die Macht ausüben, kommen aus den religiösen Schulen von Qom. Der Berühmteste unter ihnen war selbstverständlich Khomeini.
Es gibt hier auch noch eine besondere Spezialität zu kaufen und zwar "Sohan". Das hat die Konsistenz von Blätterkrokant und besteht aus Weizenkeimen, Butterfett, Zucker, Mandeln und Pistazien. Das gab es heute morgen schon am Frühstücksbuffet und ich habe es natürlich gleich ausprobiert. Ist super süß, aber wirklich lecker, jedenfalls wenn man es süß mag.
Bereits um 10 Uhr ist es schon wieder so heiß, dass man es in der Sonne nicht mehr aushält, im Schatten geht es noch. Aber da ich mich hier eh nicht willkommen fühle, laufe ich ins Hotel zurück. Gleich eilt Hasan, der gute Geist des Hauses auf mich zu, bringt mir Tee ins Zimmer, Clopapier (weil die Westler brauchen ja sowas), noch mehr Shampoo und Seife. Man wird hier als Westler, vor allem aber als Deutscher sehr zuvorkommend behandelt. Kaum hören sie, dass man "Almani" ist, sind alle hellauf begeistert. Gestern zum Beispiel, stand ich an der Rezeption und eine ganze Gruppe Einheimischer, die auch eben eingecheckt hatte, wollte auch mit dem Aufzug nach oben. Nein, ich als Deutsche wurde zuerst mal hochgebracht, dabei hatte ich mein Gepäck noch gar nicht dabei, hätte also auch zu Fuß die Treppen hochgehen können. Manchmal ist mir das schon ziemlich peinlich, aber da lassen sich die Iraner nicht davon abbringen. Hasan wollte mir gestern auch gleich noch so einen Toilettenstuhl verpassen. Das ist ein Plastikstuhl mit Loch in der Mitte, den man dann über das Plumpsclo stellt und auf den man sich dann setzt. Aber das Teil schaut mir doch sehr nach Altenheim aus, das brauche ich nun wirklich nicht. Mir sind Plumpsclos überhaupt immer viel lieber, da muss man schon nicht schauen, wie man sich am besten positioniert, dass man den Sitz nicht berührt. Schon wieder eine Clogeschichte von Anja :-)
Später gegen Mittag gehe ich dann aber doch nochmal raus, da sich der Hunger meldet und hole mir an einem Stand eine Pizza mit Dugh, die ich im Hotelzimmer verdrücke. Gegen Abend mache ich nochmal einen kurzen Rundgang um das Heiligtum und ein paar Fotos, aber sympathischer wird mir die Stadt trotzdem nicht.
Deswegen bin ich froh, als ich am nächsten Tag mein Rad beladen habe und aus der Stadt bike. Ich habe mir auf der Karte eine schöne Strecke durch die Berge nach Kashan rausgesucht, da ich die schreckliche Hauptstraße nicht radeln will. 15 km davon reichen mir schon, dann geht es erst mal weg auf eine Nebenstraße. Dass ich von 900 Höhenmeter auf 2600 Höhenmeter muss, stört mich dabei nicht, denn die Strecke ist sehr wenig befahren und genau mein Ding. Gleich nach der Abzweigung hält mich ein Mann auf, der kurz plaudern will, zum Abschied schenkt er mich noch ein gerade frisch gebackenes Brot (es ist noch warm). Die ersten 25 km sind kein Problem, ich pedale mich bergauf. Auf ungefähr 1900 Hm stehe ich im Schatten zum Rasten, als sich ein paar Kids hertrauen und mich fragen, wo ich her bin. Gleich wird der Mutter, die eben mit dem Auto angekommen ist, zugerufen: "Sie ist Deutsche!" Sofort eilt auch die Mutter her, um mich bunten Hund zu bestaunen. Was mit dem Rad! Ja, befarmaid (bitte schön!) ich soll doch gleich mal ins Haus kommen. Also folge ich dem Clan in den Innenhof eines wunderschönen Gartens und in deren Haus. Dort sind noch 2 Mädchen, eine Frau sowie ein Baby. Wahnsinn, und jetzt sind da noch nicht mal deren Männer zugegen. Wie groß ist denn diese Familie? Hier wird nicht auf dem Boden gesessen, es gibt bequeme Couchen und Sessel. Ich traue mich kaum, mich anzulehnen, damit ich deren Couch nicht gleich einschwitze. Sofort wird mir eine kühle Melone sowie Pfirsiche, Trauben und eiskaltes Wasser gebracht: "bochor" heißt es, "iß". Wir kauderwelschen um die Wette, aber nach einer halben Stunde verabschiede ich mich, will ich doch noch nach Fordo und weiter nach Wasf, wo dann die Piste durch die Berge beginnt. Die Mutter gibt mir dann noch eine ganze Tüte Obst mit und so verabschieden wir uns mit einem Familienfoto auf der Couch.
Ich radle also weiter und zwei der Jungs begleiten mich mit einem Moped bis zuerst nach Fordo und dann weiter bis fast nach Wasf. Das ist mir dann gar nicht mehr so recht, denn ich will eigentlich nicht bis Wasf fahren, sondern mir vorher noch eine Übernachtungsmöglichkeit suchen. In Wasf komm ich sonst bestimmt nicht mehr auf die Piste, weil mich jeder fragt, wo ich übernachten werde. Zum Glück drehen sie aber kurz vorher um, ich bin jetzt eh schon die letzten 10 km fast nur am Schieben gewesen und ich glaube, sie haben jetzt doch keine Lust mehr, ständig auf mich zu warten. In einem Steinbruch finde ich ein schönes Plätzchen zum Zelten, wo mich von der Straße niemand sehen kann.
Am nächsten Morgen ist es noch ziemlich kalt, eine Wohltat nach der Hitze da unten. Die letzten km muss ich wieder schieben, aber es ist zum Glück noch nicht so heiß, obwohl die Sonne schon da ist. Oben angekommen, dann ein 3 km Downhill nach Wasf. Aber irgendwie sieht das hier gar nicht nach einem Ort aus, eher wie Militärlager oder eine sehr komische Ferienanlage mitten in den Bergen. Ich biege um die letzte Ecke: SCHLAGBAUM!!!!! Ich glaube es nicht. Der Polizist in seinem Wachhäuschen meint auf meine Frage, wo es hier nach Kashan geht: "the Road is closed". Das ist ja wohl nicht dem Dicken sein Ernst, möchte ihn mal sehen, wenn er sich 30 km hochpedalt hat, dass dann einer zu ihm ganz lapidar sagt "Road is closed". Was für eine gequirlte Sch..... Mann, ich bin stinkesauer, nicht nur, dass ich den ganzen Mist wieder zurück muss, nein, ich muss dann ab der Hauptstraße nochmal 70 km bis Kashan radeln. Das kann ja wohl alles nicht wahr sein. Was, zum Teufel, treiben die Iraner hier eigentlich mit ihrem bescheuerten Militär in den Bergen? Unglaublich, jetzt schiebe ich den letzten Downhill natürlich wieder hoch. Auf der anderen Seite geht es zwar jetzt wieder die 30 km runter, aber so ganz kann darüber doch keine Freude aufkommen, weil ich weiß, was mir bevorsteht. Auf halbem Weg hält mich ein Mann auf, Passport. Klar, und wer bist Du? Er ist Police, ja schön, wieder mal das gleiche Spiel. Wo ist der Polizeiwagen, die Uniform. Er hat nicht mal einen Ausweis. Er telefoniert in der Gegend rum, findet aber wohl keinen, der englisch kann. Also lässt er mich weiterfahren, gibt mir aber zu verstehen, dass er mir hinterher fahren wird. Von mir aus, wenn er sich die nächsten 6 Stunden mit 12-15 km/h in der Hitze nach Kashan bewegen will, mir ist das egal. Irgendwann ist das Auto hinter mir dann verschwunden. Kurze Zeit später taucht ein anderes Auto auf und hält vor mir an. Ich bin kurz davor, einfach freundlich winkend dran vorbeizusausen (schließlich geht es immer noch bergab), da sehe ich, dass es der Typ von vorhin ist mit einem Kollegen. Scheinbar ist er schnell bei dem ins Auto gesprungen. Also anhalten, der Kollege hat dann sogar einen Polizeiausweis dabei und kann auch etwas englisch. Komischerweise sieht der Ausweis komplett anders aus, als der von den beiden Typen, die mich bei Sari kontrollieren wollten. Zeige ihm also meinen Pass. Er fragt, wo ich herkomme, ich sage aus Fordo (Wasf, das Militärlager erwähne ich mal lieber nicht). Ach so, er dachte, ich käme aus Kashan, was natürlich sehr seltsam wäre, denn dann wäre ich durch deren Militärgebiet geradelt und hätte ja Wunder was sehen können. Er schreibt sich meine Passnummer und Namen auf, dann wird wieder ein Foto von mir, der Bekloppten gemacht und ich darf weiterradeln.
10 Minuten später, dann die Kreuzung nach Kashan. Lt. Meiner Karte noch 75 km. Das ist ja wirklich gräßlich, wir haben es schon halb zwölf. Noch eine Nacht verschwitzt ohne waschen, darauf habe ich so gar keine Lust. Also muss ich wohl in die Pedale treten, was das Zeug hält. Denkste, da steht schon wieder so ein Typ mit einer Akte in der Hand. Auf der gegenüberliegenden Seite die Polizeistation. Ich soll doch bitte mitkommen. Ich bin echt zickig jetzt und sage ihm, dass mich vor 5 Minuten 2 seiner Sepahleute schon kontrolliert hätten. Ja, es täte ihm leid, aber ich müsste nochmal mit zur Polizei. So langsam gehen die mir hier ganz schön auf den Geist. Also trabe ich durch das Tor dem Typen hinterher und rein zum Chef. Beide können mal wieder absolut kein Englisch und ich habe in diesen Situationen immer total verlernt Farsi zu sprechen. Wenigstens stellt mir einer gleich ein Glas eiskaltes Wasser hin. Mittlerweile haben die bestimmt schon eine Akte von mir angelegt, vielleicht war das die, die er vorhin in der Hand hatte. Mindestens 5 Polizisten haben sich ja schon meine Passnummer notiert und 3 Sepahmenschen haben mich schon fotografiert, wie ich blöde schwitzend in die Kamera grinse. Ob man die Fotos bei der Ausreise haben darf? Ich traue mich nicht recht, das zu fragen :-)
Nach einer halben Stunde (wahrscheinlich haben sie die Daten in meinem Pass auswendig gelernt), bekomme ich den Pass zurück und dann fragen sie mich noch, was ich denn in Fordo wollte. Da ist nämlich so gar überhaupt nichts interessantes. Ich erzähle ihnen die Geschichte von kühl, frischer Luft, toller Aussicht und das nehmen sie mir auch glatt ab. Aber jetzt würde ich doch sicherlich immer "mostaghime" geradeaus nach Kashan fahren und nicht mehr von der Hauptstraße abbiegen. Ja, klar - lasst mich nur endlich mal fahren.
Endlich gegen Mittag kann ich los, Mann das ist schon wieder so heiß und leider hat es auch einen leichten Gegenwind. Der hat gefühlte 40 Grad mit ca. 0% Luftfeuchtigkeit. Das heißt, man hat eigentlich ständig Durst. Ich kippe mir das warme Wasser literweise rein. Kauft man sich ein neues, ist es innerhalb einer halben Stunde genauso warm, wie die Umgebungstemperatur. Zum Frühstück gab es heute eine Banane und ein hartgekochtes Ei, das ich im Hotel habe mitgehen lassen. Mittags dann unter einem Baum bei KM 60 gibt es dann Nüsse, Trauben, Pfirsiche und eine kleine Gurke. Auch nicht gerade die tolle Radlerkost, aber mehr habe ich nicht mehr.
Wie im Delirium radle ich die nächsten 45 km vor mich hin. Meistens geht es nur minimal bergauf oder bergab, ansonsten ist es eben. Zum Glück gibt es hier parallel die Autobahn, so dass hier nicht ganz soviele Autos fahren, aber es reicht immer noch, um nach ein paar Stunden so eine richtig ätzende Schweiß-Sonnenöl-Abgas-Staub-Schicht auf der Haut zu haben. Außerdem gibt es eine Art Seitenstreifen. Hier muss man nur den diversen Glasscherben, Nägeln und zerfetzten LKW-Reifen ausweichen. Auch mit meinen Runflat-Reifen würde ich keine Garantie eingehen, dass man sich da nicht doch ein Loch reinfahren kann. Und hier in der brütenden Hitze ohne Schatten einen Schlauch zu flicken - mit x hupenden Lastwagen und Autos, die an einem vorbeibrausen, wäre nun wirklich das Allerletzte. Aber es geht alles gut, ich komme an einem Wasserhahn vorbei und halte einfach meinen Kopf und die Arme drunter. Hier bleibe ich und verbringe den Rest meines Lebens, kann nicht mehr weiter, bin total fertig, außerdem ist es soooo heiß! Kann mir nicht jemand einen Regenschauer schicken? Das nasse Kopftuch kühlt erst mal wirklich super mit dem Fahrtwind aber nach 10 Minuten ist alles wieder trocken.
Bei KM 100 mache ich nochmal Pause im Schatten (ja da war mal einer in Form von ein paar Bäumchen). Und dann habe ich heute an diesem gräßlichen Tag doch noch eine schöne Begegnung mit einem LKW-Fahrer, der mich total fertig da sitzen sieht und fragt, ob ich nicht einen Tee möchte. Es ist hier wirklich toll, immer wenn man denkt, jetzt geht gar nichts mehr, kommt ein netter Mensch, der einem etwas Gutes tut. Wir trinken also zusammen in seinem Führerhaus heißen Tee und futtern Weintrauben. Er kommt witzigerweise aus Karaj, wo ich ja bei Sasan gewohnt habe und fährt einen LKW beladen mit Autos nach Isfahan. Sein Vater hat mal in München am Hauptbahnhof gearbeitet, aber sein Englisch ist nicht gut genug, dass er mir erklären könnte, was er da gemacht hat. Er meint, jetzt wären es nur noch 10 km bis Kashan und ob er mir noch irgendwie helfen könnte. Ich würde ihm am liebste sagen: "schmeiß doch bitte mein Rad auf Deinen Hänger und fahr mich vor das Hotel". Aber die 10 km schaffe ich jetzt auch noch. Bei KM 115 stehe ich dann endlich, endlich vor dem Hotel. Heute tut mir mein Hintern wieder ganz schön weh und ich werde hier 3 Nächte bleiben. Mein Zimmer diesmal etwas günstiger - ich muss langsam mal mit der Kohle haushalten - hat nur ein Waschbecken, Clo und Dusche sind auf dem Gang. Aber das ist mir jetzt auch ganz egal, Hauptsache es gibt eine Klimaanlage. Kann man sich auf eine Dusche freuen!! Ich kann euch sagen, das ist immer das Schönste des Tages, wenn ich mir den Highway-Staub vom Körper waschen kann. Dann schmeiße ich meistens gleich meine verschwitzten Klamotten ins Waschbecken, Rei in der Tube macht´s möglich. Trocken sind sie dann in ca. 1 Stunde.
Kashan, was für eine tolle Stadt! Ich bin absolut begeistert. Die Menschen sind wahnsinnig freundlich, jeder zweite grüßt, ruft "hallo" oder winkt und die Leute lächeln einem zu. Was für ein Unterschied zu diesem total verschlossenen Qom.
Kashan ist einer der Städte, die im iranischen Hochland schon am längsten besiedelt sind. Dafür ist eine Quelle verantwortlich, die auch heute noch den Bagh-e Fin (Fin-Garten) bewässert.
Hier sieht man auch schon die für den Süden typischen Badgirs (Windtürme), die zur Belüftung der Häuser zuständig waren. Gleich nach dem Frühstück mache ich einen ersten Rundgang durch den total leeren Basar, architektonisch sehr sehenswert mit überdachten und überkuppelten Gassen. Da heute ein Feiertag ist, ist alles zu, was aber zum Auffinden der Moscheen und historisch interessanten Stätten, die rechts und links davon liegen, sehr gut ist. Zuerst geht es zu einem Grabbau aus safavidischer Zeit (13. Jahrhundert), dann arbeite ich mich durch die Gassen zu den Bürgerhäusern, die in den letzten Jahren renoviert und jetzt zu besichtigen sind. Hier gibt es für 10€ ein Kombiticket für das Khane-ye Abassian, ein wunderschönes Herrschaftshaus aus dem 19. Jahrhundert. Mehrere Gebäude mit verschiedenen Stockwerken sind hier um einen großen Innenhof mit Brunnen angeordnet. Es gibt Keller, die für die heißen Monate zur Lebensmittelaufbewahrung verwendet wurden. Außerdem ist das Wassersystem sehr ausgeklügelt, denn aus den Bergen führten schon in früherer Zeit Bewässerungskanäle, sogenannte Qanate, das Wasser zu und durch die Häuser. So auch hier, es gibt Kanäle im Haus mit Frischwasser und natürlich welche, die das Brauchwasser unterirdisch wieder aus dem Haus leiteten. Die Innenausstattung der Häuser ist mit kunstvollen Stuckarbeiten, Spiegeln und Bemalungen dekoriert.
Einfach wunderschön! Weiterhin gehört zum Kombiticket das Khane-ye Tabataba´i, das für einen reichen Kaufmann erbaut wurde. Auch hier ist das insgesamt 5000 qm große Areal in einen öffentlichen und einen privaten Bereich aufgeteilt. Ein großer Innenhof mit Brunnen lädt zum Verweilen ein, im Sommer gibt es hier ein traditionelles Restaurant.
Hier spricht mich eine junge Frau an, ob sie mit mir reden dürfte. Na logisch! Sie lernt seit 3 Monaten englisch und spricht wirklich schon sehr gut. Wenn ich da an mein Farsi denke, schrecklich. Sie fragt, ob ich nicht Lust hätte morgen Mittag zu Ihrer Familie zum Mittagessen zu kommen. Klar, da habe ich auf jeden Fall Lust. Aber sie warnt mich schon mal vor, dass sie eine sehr große Familie hat und es immer ziemlich chaotisch zugeht. Das macht mir nichts. Wir tauschen unsere Nummern für Whats App aus und später vereinbaren wir, dass sie mich um 8 Uhr morgens am Hotel trifft, wir dann zusammen den Fin-Garden anschauen und dann zu ihr zum Mittagessen fahren. Ich könnte danach in ihrem Zimmer ruhen und wäre am Nachmittag wieder in Kashan. Ich habe ihr nämlich erzählt, dass ich mir noch ein paar Sachen morgen Nachmittag, wenn das Licht besser ist, anschauen möchte. Könnt ihr euch sowas in Deutschland vorstellen? Ich überlege jetzt noch, was ich an Gastgeschenken mitbringen könnte. Habe ja so einen schönen Laden mit Süßigkeiten entdeckt, da werde ich später noch eine Schachtel besorgen. Vielleicht noch ein paar BMW-Schlüsselanhänger, dann habe ich auch gleich weniger Gewicht in den Taschen.
Die dritte Attraktion ist das Hammam-e Mir Sultan Ahmad, ein historisches und renoviertes Badehaus mit wunderschönen Kuppeln und Fliesenarbeiten. Hier kann man auch auf das Dach steigen und sich die Kuppelarbeiten von oben anschauen. Auch hier ist wieder nicht viel los und ich traue mich für ein Selfie mal mein Tuch abzunehmen :-)
Mittlerweile Mittag geworden, ist es im Schatten zwar noch erträglich, aber die Sonne sticht schon wieder ganz schön runter. Ich schleiche langsam zurück zum Hotel und komme noch an einer mittlerweile offenen Moschee vorbei, die ich beim Hinweg schon anschauen wollte. Bei einem Bäcker mache ich halt, weil ich so eine Backstube doch schon die ganze Zeit fotografieren wollte. Die Jungs sind begeistert und schenken mir gleich noch eines der frisch gebackenen Brote.
Noch kurz, bevor ich es wieder vergesse: der Peykan ist die iranische Automarke, ihn gibt es auch als Pickup. Ansonsten fahren hier KIAs, Peugeot 207 (die sind mit dem Peykan-Motor oder so irgendwie kompatibel). Was ich noch gar nicht gesehen habe, sind Audis. BMW und Mercedes auf jeden Fall und sonst noch so einige chinesische Modelle.
Viele Sachen sind mir ja jetzt schon zur Gewohnheit geworden, daher falls ihr zu irgendwas Fragen habt, dann her damit, ich beantworte sie gerne.
Und damit keine Mißverständnisse aufkommen: nein, ich habe nicht heimlich geheiratet. Natürlich sage ich immer, dass Martin Shohare-man (mein Ehemann) ist und natürlich habe ich auch 2 Söhne (meine Neffen), Fabian und Jonas, 23 und 20 Jahre alt. Da haben wir vor der Abreise noch ein paar Fotos gemacht mit meinen beiden Neffen und Martin, damit es etwas familienmäßig aussieht. Fabian, stell Dir vor, es hat auch schon jemand gesagt, dass Du wie der Vater aussiehst. Das fand ich ganz besonders lustig. Es ist einfach besser, hier ein paar Notlügen anzubringen. Die Leute würden es überhaupt nicht verstehen, wenn ich nicht verheiratet wäre und keine Kinder hätte. Natürlich bin ich hier auch immer Christin. Denn keiner Religion anzugehören ist fast noch unverständlicher, als keine Kinder zu haben. Es versteht ja eh schon keiner, dass ich ohne meinen Mann reise. Meistens erzähle ich dann, dass mein Mann ein Taxiunternehmen hat (das zumindest stimmt schon mal) und deshalb nicht solange Urlaub machen kann. Ich habe auch nur einmal erzählt, dass ich nach Iran noch 3 Monate durch den Oman reisen will. Da haben sie mich alle komplett für verrückt erklärt und gemeint, Oman wäre sehr gefährlich. Wahrscheinlich sagen die Omanis genau dasselbe über die Iraner :-) Deshalb erzähle ich meine Reiseroute nun so, dass ich von Bandar Abbas nach Dubai fahre und von dort aus zurück nach Deutschland.
Wie es nun in Kashan weitergeht, erfahrt ihr beim nächsten Mal.
Liebe Grüße, diesmal vom südlichen Rand der Dasht-e Kavir (langsam habe ich sie jetzt fast umrundet, die Wüste)
Anja
Anja
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