Noch ein Nachtrag aus Damghan und einem Abend im Hotel.
Ich saß in der Lobby, um mit Martin zu facetimen, was wir auch gemacht haben. Das iPad wurde rumgereicht und es war ein riesen Spaß für alle, den Ehemann der Touristin zu sehen.
Ich saß in der Lobby, um mit Martin zu facetimen, was wir auch gemacht haben. Das iPad wurde rumgereicht und es war ein riesen Spaß für alle, den Ehemann der Touristin zu sehen.
Eine Familie kam, die mir das beste Restaurant in Mashad aufgeschrieben hat. Jeder wollte unbedingt meine Visitenkarte und sich auf Facebook mit mir befreunden. Facebook, das ist doch in Iran gesperrt, aber jeder nutzt es. Ich werde gefragt, wie ich das finde. Ich weiß, ich soll nicht so viel meine Meinung äußern, aber ich sage, dass die ganzen Verbote eh nur dazu führen, dass die Menschen sie umgehen. Sie werden immer einen Weg finden, wie sie das Verbotene trotzdem tun können. Ich habe selbst schon einige Beispiele wie den Wodka-trinkenden Taxifahrer, die Hotsprings-Einrichtung, Bierbrauer und Weinhersteller erlebt.
Außerdem war hier ein Junge, der so froh war, außerhalb seiner Schule eine reale Person zu treffen, mit der er englisch reden kann. Er will Arzt werden und zwar Gehirnchirurg. Sein Traum ist es, in Harvard zu studieren. Sein Englisch ist super und er übt weiter fleißig, denn nur wenn er perfekt englisch spricht, ist sein Traum vielleicht machbar. Leider ist das für die meisten nicht möglich, denn es geht eigentlich nur, wenn man
A) ein Stipendium bekommt - dies wiederum bekommen (unabhängig von den Noten) nur die Kinder von Regierungstreuen
B) die Familie eine Bürgschaft übernimmt. In dem Fall muss man nach dem Studium im Ausland wieder nach Iran kommen. Tut man das nicht, wird die eigene Familie wahrscheinlich zu Bettlern werden
C) man muss seinen Militärdienst ableisten, dann könnte man gehen, wenn man denn ein Visum im Ausland bekommen würde, man kann sich auch vom Militärdienst freikaufen, aber das ist auch nur wieder für Kinder von Regierungstreuen möglich.
Hätte man aber im Ausland studiert und käme wieder hierher zurück, es gäbe keinen Job für die Leute. Die guten Jobs gehen auch wieder - wie könnte es anders sein - an Kinder der Regierungstreuen. So haben die jungen Leute zwar alle eine super Ausbildung, können damit aber nichts anfangen, da sie keinen Job finden. Die meisten brauchen 2 Jobs, die überhaupt nichts mit ihrer Ausbildung zu tun haben, um sich und ihre Familie über Wasser halten zu können. Das alles erzählt mir der Junge in seinem tollen englisch und überschlägt sich fast vor Freude, dass er mir das alles erzählen darf und nicht nur mit seinem Lehrer englisch reden kann.
A) ein Stipendium bekommt - dies wiederum bekommen (unabhängig von den Noten) nur die Kinder von Regierungstreuen
B) die Familie eine Bürgschaft übernimmt. In dem Fall muss man nach dem Studium im Ausland wieder nach Iran kommen. Tut man das nicht, wird die eigene Familie wahrscheinlich zu Bettlern werden
C) man muss seinen Militärdienst ableisten, dann könnte man gehen, wenn man denn ein Visum im Ausland bekommen würde, man kann sich auch vom Militärdienst freikaufen, aber das ist auch nur wieder für Kinder von Regierungstreuen möglich.
Hätte man aber im Ausland studiert und käme wieder hierher zurück, es gäbe keinen Job für die Leute. Die guten Jobs gehen auch wieder - wie könnte es anders sein - an Kinder der Regierungstreuen. So haben die jungen Leute zwar alle eine super Ausbildung, können damit aber nichts anfangen, da sie keinen Job finden. Die meisten brauchen 2 Jobs, die überhaupt nichts mit ihrer Ausbildung zu tun haben, um sich und ihre Familie über Wasser halten zu können. Das alles erzählt mir der Junge in seinem tollen englisch und überschlägt sich fast vor Freude, dass er mir das alles erzählen darf und nicht nur mit seinem Lehrer englisch reden kann.
Und hier noch eine witzige, aber trotzdem traurige Geschichte: Diskotheken in Iran. Das ist natürlich verboten, denn auch Tanzen ist verboten, außer zu Hochzeiten oder bei Volkstänzen. Natürlich ist auch amerikanische Musik verboten, klar auch, dass man sie auf dem Schwarzmarkt kaufen kann. Eine Diskothek im Iran findet meistens im Keller statt, damit man das Stroboskop und die Scheinwerfer nicht sieht. Jeder Teilnehmer bekommt einen Kopfhörer, über den die Musik läuft. Ihr könnt euch also vorstellen, wie witzig das aussieht, wenn man in so einen Diskokeller kommt und man sieht die Leute, die zu einer unhörbaren Musik abhotten. Ich habe das nicht erlebt, aber es soll wohl so praktiziert werden. Auch sonst sind Parties natürlich verboten, außer man ist wieder mal - wer hätte es gedacht - Sohn/Tochter eines Regierungstreuen - oder man hat einfach Geld und kann die Polizei im Vorfeld schmieren. Auch Poolparties werden hier regelmäßig gefeiert, aber auch das sind alles die Freuden von den Reichen.
Ein kleiner Eindruck aus einer Welt voller Verbote und damit wir wieder wissen, wie gut es uns eigentlich geht.
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