Wie wir das Sprichwort haben "Eulen nach Athen tragen", gibt es das hier in Kerman für Kümmel, denn Kümmel gibt es hier an allen Ecken und Enden zu kaufen, ist Kerman doch der Hauptproduzent dieses Gewürzes. Gemeint ist damit aber Cumin, also Kreuzkümmel, nicht der Kümmel, den wir z.B. im Krautsalat haben.
Kerman hatte durch seine Lage am Handelsweg zu Indien schon immer große Bedeutung. Hier gibt es viele Kupfervorkommen, bekannt ist die Region außerdem für seine Kerman-Teppiche und für den Pistazienanbau. Aber es verläuft hier auch eine der Hauptrouten des Drogen- und Waffenschmuggels, der durch die Nähe zu Afghanistan entstanden ist. Daher auch mein Entschluss die Lehmstadt Bam nur mit einer geführten Tour zu machen und hier auch nicht her zu radeln.
Kerman liegt auf 1850 Metern Höhe am Fuß der über 4000 Meter hoch aufragenden Berge. Gegründet 242 n. Chr., hat es heute ca. 800.000 Einwohner. Sasaniden, Araber, Mozzafariden und Safaviden waren die Herrscher der Stadt. Die Mozzafariden haben Mitte des 14. Jahrhunderts einige der Bauwerke erschaffen, die man auch heute noch besichtigen kann. 1794 nahmen die Qadjaren unter Schah Agha Mohammad die Stadt ein und übten grausame Rache. Die Truppen verwüsteten die Stadt und stachen 20.000 seiner Bewohner die Augen aus, weitere 20.000 wurden in die Sklaverei verkauft. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts blühte die Stadt durch den Indien-Handel wieder auf.
Auf meiner Besichtigungstour streife ich auch hier wieder durch die Gassen der Altstadt, denn es gibt einiges zu erkunden und anzuschauen.
Besonders schön ist der Basar, der noch sehr ursprünglich und ohne Touristenware ist. Allgemein sind nicht viele Touristen unterwegs, ich sehe nur eine Handvoll.
Natürlich gibt es auch hier wieder eine Freitagsmoschee, die im 14. Jahrhundert von den Mozaffariden erbaut wurde. Sehr ruhig und direkt hinter dem Basar gelegen, kann man hier schön eine Ruhepause einlegen und alles gemütlich anschauen. Keine Touristen, kein Eintritt wird erhoben. Wenn es doch überall so sein könnte, aber da bin ich wohl 50 Jahre zu spät dran :-)
In einem dreikuppeligen Grabbau dagegen, hätte der Wärter gerne alleine schon 100.000 Rial gehabt, weil er mir zeigt, wo man alle drei Kuppeln auf das Bild bekommt. Als ob ich das nicht selbst rausgefunden hätte... 100.000 Rial ist reiner Wucher und so kriegt er gar nichts von mir.
Der tollste Platz in Kerman ist der Meydan-e (Platz) Ganj Ali Khan, der im 17. Jahrhundert erbaut wurde. An ihm liegen einige wunderschöne Gebäude wie eine Medrese (Koranschule), eine Karawanserei, das Hamam-e Ganj Ali Khan sowie die Masdjed-e (Moschee) Ganj Ali Khan. Von diesem Platz führen auch die überkuppelten Gassen in den Basar. Am Ende des Basars hört das Dach auf, hier gibt es Obst und Gemüse, Gewürze, Süßigkeiten und sonstige Dinge des täglichen Bedarfs.
Im Gassengewirr sieht man von weitem immer mal wieder mit den wunderschönen grünen und blauen Kacheln geschmückte Kuppeln, Minarette und Türmchen. Wenn man sich diesen dann nähert, sieht man sie aufgrund der sich davor schiebenden Häuser nicht mehr. Ich suche die Koranschule eine geschlagene Stunde und endlich finde ich sie mehr zufällig, da ich einen Turbanträger in eine Gasse entschwinden sehe. Ich gehe ihm nach, die Gasse öffnet sich und ich stehe in einem wunderschön begrünten Hof mit dem Uhrtürmchen der Koranschule, das ich schon die ganze Zeit gesehen habe. So bin ich ziemlich oft auf der Suche nach der Moschee, deren schöne Minarette ich schon von weitem gesehen habe.
Wie immer zum Mittagsgebet setze ich mich in einen Moscheehof und schaue dem Treiben zu, wie sich zuerst am Brunnen gewaschen wird und dann alle nach und nach zum Gebet in den Innenraum verschwinden. Heute mache ich das in der Masdjed-e Malek, die im 11. Jahrhundert erbaut wurde. Hier gibt es noch eine prachtvollen Stuck-Mehrab aus der Seljuken-Zeit.
Danach gehe ich zum Ausruhen und Mittagessen in das Teehaus Vakil, das in einem ehemaligen Hamam untergebracht ist. Eine Familie lädt mich zum Tee ein, später tauchen noch Ahmad und Jalal auf und wir unterhalten uns eine Weile. Auch ein Deutscher gesellt sich zu uns, der alleine mit seinem selbstausgebauten Wohnmobil unterwegs ist. Leider steht das Mobil nicht in der Gegend, das hätte ich mir schon gerne angeschaut.
Zum Mittagessen gibt es mein geliebtes Dugh (wer es wieder vergessen hat - Joghurtgetränk ähnlich Ayran), dazu Mast-e musir (Joghurt mit kleingeschnipselten Schalotten) und Kashk-e Badenjan (Auberginenpürree mit Sauce), zum Löffeln nimmt man Fladenbrot.
Auf dem Rückweg komme ich doch tatsächlich noch an einem alten Eiskeller vorbei. In diesen Eiskellern konnte man früher Eis aus den Bergen über den gesamten Sommer lagern.
Dann brauche ich dringend noch eine Bodylotion, meine Haut sieht schon aus wie von einem alten Krokodil :-)
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