Freitag, 18. November 2016

Die Kalouts und der Prinzengarten in Mahan (8.-9.10.)

Bei Jalal, dem Besitzer des Guesthouses in dem ich bin, habe ich heute eine Tour zu den Kalouts in die Wüste Lut und zum Prinzengarten gebucht. Mit dabei sind noch zwei andere Deutsche, Wolfgang aus Karlsruhe und Philipp aus Berlin. Außerdem unser Guide Ahmad, der sehr gut englisch spricht.
Als erstes geht es ein Busticket für Wolfgang kaufen, dann gabeln wir noch Philipp auf und los geht es nach Mahan, ca. 40 km außerhalb von Kerman. Hier gibt es den Bagh-e Shahzadeh, auch Prinzengarten genannt zu besichtigen, einen weiteren der insgesamt 9 Persischen Gärten  (UNESCO-Welterbe). Dieser Paradiesgarten sowie die beiden Paläste wurden 1850 vom Kadscharenprinzen Mohammad Hasan Khan angelegt. 

Das Besonderen an diesem Garten und wie ich finde, bisher der Schönste, den ich gesehen habe, ist, dass das Wasser hier vom oberen Palast über mehrere Terrassen zum unteren Pavillon fließt. Früher wurde das natürliche Gefälle zum Betreiben der Springbrunnen und Fontänen genutzt. Als man die Anlage in heutiger Zeit renoviert hat, konnte das nicht mehr nachkonstruiert worden, so dass die Fontänen heute mit Pumpen betrieben werden. 

Der Park ist wirklich wunderschön und ich sage zu unserem Guide noch, dass ich hier gerne in dem Palast leben würde und wenn, dann würde ich im obersten Zimmer meinen Frühstücksraum einrichten, mit Blick auf die wasserüberfluteten Terrassen, die von einer Quelle gespeist werden und das ganze Jahr Wasser führen. Ich erwähne das hier deswegen extra, weil ich in einem späteren Bericht nochmal darauf Bezug nehmen werde. 

Umgeben ist die Anlage von den 4000 Meter hohen Bergen, was sie nochmal für mich eindrucksvoller macht, als all die anderen persischen Gärten bisher. 

Endlich mal ein paar Menschen um mich, die Fotos von mir machen können, so dass wir hier eine ziemlich lange Fotosession einlegen. Denn auch meine beiden Begleiter Wolfgang und Philipp sind Alleinreisende und haben selten Fotos von sich selbst.

Dann geht es über die Berge. Es ist hier oben auf 2700 Metern sehr frisch und dunkle Wolken türmen sich über den Bergen auf. Auf der anderen Seite fahren wir direkt in die Wüste Lut hinunter. 

Wie Wüste Lut, nördlich von Kerman gehört zu einer der lebensfeindlichsten Umgebungen der Welt. Im Sommer hat es hier Temperaturen über 50 Grad. Dementsprechend warm, nein warm ist der falsche Ausdruck, heiß ist es hier. Hier wurde letztens die Rekordtemperatur von 71 Grad gemessen. Unglaublich! Jetzt hat es noch ungefähr 40 Grad tagsüber, da es aber schon Nachmittag ist, vielleicht noch 35 Grad. 

Daher ist die Provinz Kerman auch die am dünnsten besiedelte Region des Landes. Erstaunlich ist es daher, dass sich hier schon in frühester Zeit Menschen angesiedelt haben (3. Jahrtausend v. Chr.).

Und dann kommen wir zu den Kalouts. Das sind Berge, die von Wind, Sand und dem wenigen Wasser geformt wurde, was es hier ab und zu mal gibt. Mit Ahmad steigen wir auf einen ganz besonders hohen Aussichtsberg, der einen gigantischen Blick auf die Gegend frei gibt. Kurz vor Sonnenuntergang sind wir hier oben und es ist einfach wunderschön! Ein Gläschen Wein wäre jetzt schon ganz nett :-), wir schlürfen unser Wasser...

Hier verbringen wir die nächsten Stunde mit Schauen und Staunen und taufen kurzerhand unseren Berg nach unserem Guide "Ahmad-Mountain". 
Als es schon fast dunkel ist, wandern wir zum Auto zurück und fahren in ein kleines Dorf am Rande der Wüste, in dem es eine EcoLodge gibt. Hier können wir uns den Staub und Sand runterwaschen, Tee wird in einem extra Raum serviert, später gibt es noch Melone und unser Abendessen, bestehend aus Huhn mit Reis, Sauce, Salat und Fladenbrot. Hier werden dann auch die Matratzen zum Schlafen ausgebreitet. Ich darf zum Schlafen sogar mein Kopftuch abnehmen :-)

Als wir gegessen haben, machen wir uns zu Fuß auf den Weg zu einer renovierten Karawanserei und haben dort den allerschönsten Blick auf einen gigantischen Sternenhimmel. Kein Sternbild, was ich hier kenne, nur die Milchstraße, die immer heller leuchtet, je länger man nach oben schaut. Wer schon mal den Sternenhimmel in der Wüste gesehen hat, weiß wovon ich rede. So was sieht man in Deutschland höchstens noch im Gebirge, wenn es ganz klar ist und keine Stadt in der Nähe ist. 
Am nächsten Morgen stehe ich zum Sonnenaufgang auf, weil ich mir die Karawanserei von letzter Nacht nochmal anschauen will. Sie ist sehr groß und gleich fällt mir wieder Pierre Loti ein, der zigmal auf seinem Weg in Karawansereien übernachtet hat. 

Dann gibt es noch Frühstück und dann müssen wir uns beeilen, denn Wolfgangs Bus fährt um 10 Uhr nach Shiraz und Philipp will noch sein Visum verlängern. Wir holen auch noch mein Rad und die Radtaschen vom Bahnhof, das Rad passt allerdings nicht in Ahmads Auto, daher radle ich zum Guesthouse zurück. 
Alles in allem waren das 2 perfekte Tage mit super netten Menschen, gigantischer Berg- und Wüstenwelt und einer Wüstennacht mit der Gastfreundschaft der Iraner. 

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