Freitag, 18. November 2016

Aussage einer professionellen Touristin vor der Kommission (9.10.)

Diese Überschrift bedarf nun einiger Erklärung, damit ihr, liebe Leser, auch versteht, was passiert ist. 
Es gibt in Kerman ein Hotel namens Akhavan (wo ich eigentlich ursprünglich hinwollte, aber nichts mehr frei war - zum Glück!!!). Als wir uns mit Wolfgang im Jalal Guesthouse bei unserer Abfahrt in die Kalouts treffen, erzählt er, dass er dort auch ein Zimmer wollte und der Besitzer ihm bevor sie überhaupt auf das Zimmer zu sprechen gekommen sind, schon eine Tour mit dem Taxi zu den Kalouts angeboten hat. Da dies ohne Guide ist, hat er das vor 2 Tagen ausgeschlagen und ist in ein anderes Hotel gegangen. 

Als Jalal, der Besitzer, meines Guesthouses das hört, wird er stinksauer. Es ist nämlich so, dass das Hotel Akhavan mit 40 Zimmern sehr groß ist und würde der gute Herr Akhavan für seine Touren in die Wüste, Bam, Mahan, Rayen etc. Guides buchen, gäbe es wahrscheinlich 200 weniger arbeitslose Guides, die eine extra Ausbildung gemacht haben, um englisch zu lernen, etwas über die Gegend erzählen zu können und sich um die Touristen kümmern. Aber Hr. Akhavan zieht es vor, genau den gleichen Betrag von den Touristen für die Touren zu kassieren und günstige Taxifahrer anzuheuern, die dem Touristen überhaupt nichts erzählen können und auch kein Englisch sprechen. Wenn irgendwas in der Wüste passiert, versteht der Taxifahrer nicht, was der Tourist sagt und Probleme sind vorprogrammiert. 

Jalal möchte also, dass Wolfgang mit ihm zur Organization of Cultural Heritage and Tourism geht und dort diesen Bericht abgibt. Da Wolfgang aber nach der Wüstentour sofort nach Shiraz will, überreden wir ihn abends auf unserer Wüstentour, zumindest eine Sprachinfo auf das Handy von Ahmad, unserem Guide, zu sprechen. Als ich von meiner Wüstentour zurückkomme ist es Jalal gar nicht recht, dass wir nur eine Voicenachricht haben und bittet mich, vor der Kommission für Tourismus auszusagen. Da ich natürlich nur das sagen kann, was Wolfgang mir erzählt hat, ist das Ganze etwas schwierig und wir beschließen, dass ich ins Hotel Akhavan gehe und nach einem Zimmer frage, um zu sehen, ob mir diese Tour auch angeboten wird. Jalal bekommt eine Stunde später einen Termin in der Organization of Cultural Heritage and Tourism und so haben wir nicht viel Zeit, unseren Plan durchzuziehen. 

Ich gehe also ins Hotel Akhavan rein und frage nach einem Zimmer, handle ihn noch runter auf 25€ mit Frühstück UND Abendessen für ein wirklich gutes Zimmer. Allerdings keine Spur von einem Angebot der Tour zu den Kalouts. Als wir wieder in der Lobby stehen, sehe ich ein Bild von den Kalouts und frage Hr. Akhavan, wo das wäre. Seine Antwort: "Das ist hier in der Wüste Lut". Mehr nicht, so ein Mist. Was mache ich nun? Nach der Tour fragen, obwohl ich offensichtlich das Zimmer ja nicht nehme? Er hat sicherlich längst gemerkt, dass ich überhaupt nicht interessiert bin, denn der Preis ist wirklich gut und ich erzähle ihm eine Story, dass ich noch andere Hotels abklappern will und bla bla bla. Habe den Eindruck, er wäre noch weiter runtergegangen. Also gehe ich unverrichteter Dinge wieder aus dem Hotel und steige zu Jalal ins Auto. Das ist wirklich nicht gut gelaufen, aber wir haben den Termin bei der Kommission und da müssen wir jetzt hin. Lügen will ich auch nicht, also beschließen wir, dass ich einfach das sage, was ich von Wolfgang weiß.

Die Kommission hört mich an, Jalal stellt mich als eine professionelle Touristin vor, was ich äußerst amüsant finde. Ich berichte also und gebe meine Meinung zu der Tourismussituation in Kerman zum Besten. Dass eine Tour mit Guide auf jeden Fall für alle Beteiligten mehr Spaß macht und außerdem Sicherheit gibt und dass Touristen von der Taxitour sicherlich enttäuscht sind. Da Kerman ja in Zukunft sogar einen Direktflug aus Istanbul anstrebt, um den Tourismus in der Stadt zu fördern, wäre es wohl sicherlich besser, wenn Hr. Akhavan (und noch ein anderes Hotel) ausgebildete Guides beschäftigen würden. Die Taxifahrer könnte er ja trotzdem engagieren. Dann geht alles nur noch auf Farsi ab, Wolfgangs Voicenachricht wird noch vorgespielt und dann laufen wir, die gesamte Kommission und ich zum obersten Chef der Organization. Hier wird wieder Tee und Gebäck gereicht, der Chef ist begeistert, eine Deutsche hier zu haben und löchert mich mit Fragen über meine Reise. 

In dem Moment bin ich wirklich heilfroh, dass ich nochmal geduscht und mir saubere Kleidung angezogen habe - es ging ja dann doch alles sehr schnell mit dem Aufbruch vom Jalal Guesthouse. 

Am Schluss heißt es, dass es am nächsten Tag nochmal eine Anhörung gibt, bei der allerdings nur Jalal anwesend sein muss. In dieser Anhörung soll wohl beschlossen werden, dass künftig alle Taxifahrer, die ohne Guide an der Polizei in Shahdad (die Stadt vor der Wüste Lut) vorbeikommen und Touristen für die Kalouts im Auto haben, wieder nach Kerman zurückgeschickt werden. 

Ich bekomme dann noch ein handbesticktes Deckchen vom Chef geschenkt, es werden Fotos von der Übergabe des Geschenks gemacht, ich reiche ihm meine Visitenkarte. Und dann - und jetzt kommt der absolute Hammer!!!!! - bietet er mir an, dass ich eine Nacht im Prinzengarten verbringen darf, inkl. Frühstück, Mittag- und Abendessen und er würde sich sehr freuen, wenn ich das Angebot annehmen würde. Ihr erinnert euch, dass ich da ja wohnen und in einem bestimmten Raum frühstücken wollte. Ja spinn ich denn? Natürlich nehme ich das Angebot an und fühle mich trotzdem etwas mies, denn eigentlich sollte das ja für Wolfgang sein, ich habe ja nur seine Geschichte erzählt. 

Wir verlassen die Organization und ich bin noch wie in einem anderen Film. Jalal ist super happy, denn er erzählt mir, dass die Guides teilweise weinend bei ihm stehen, weil sie keine Arbeit haben. Da er aber nur 3 Zimmer hat, kann er natürlich auch nur ein paar der Guides beschäftigen. Sofort werden alle möglichen Leute angerufen und die gute Nachricht, was ich hier bewirkt habe, verbreitet. Als wir im Jalal Guesthouse ankommen, kommt Negar, eine der Guides auf mich zu und bedankt sich überschwänglich bei mir. Was sie mir alles zu verdanken hätten und ich kann einfach nur sagen: "ich find´s toll, dass ich jetzt auch mal was für die Iraner tun konnte! Und dass ich wirklich hoffe, dass es etwas gebracht hat."
Es wird Fleisch gekauft und ich werde zur Feier des Tages bei Jalal zum Grillen im Hof eingeladen. 

Später gehen Jalal, Ahmad, Reza, Negar und ich noch Billard spielen. Ja, ihr lest richtig, Männer und Frauen dürfen hier zusammen Spaß haben. Zum Abschluss gibt es dann noch Felafel, das sind Fleischbällchen aus Kichererbsen.

So werde ich also morgen im Prinzengarten nächtigen und ich bin, zusammen mit euch, schon sehr gespannt auf diese Geschichte. 

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