Ich sitze auf dem Rasen am großen Platz und schreibe Postkarten, ein Mann schlendert vorbei, grüßt und fragt wie so oft, wo ich her bin. Das Frage- und Antwortspiel geht los, aber diesmal mit etwas anderen Fragen als sonst und ich bin mir nicht sicher, worauf er hinauswill:
"Are there a lot of lakes in Germany?" - "Yes"
"And you can go swimming there?" - "Yes"
"And men and women swimming with each other!" "Yes"
"Don´t you feel strange being with men in the water?" "No, it´s normal for us"
"Do you go swimming in Bikini and do you have a picture with you in Bikini?"
"And you can go swimming there?" - "Yes"
"And men and women swimming with each other!" "Yes"
"Don´t you feel strange being with men in the water?" "No, it´s normal for us"
"Do you go swimming in Bikini and do you have a picture with you in Bikini?"
Tut mir leid, damit kann ich jetzt wirklich nicht dienen und selbst wenn, würde ich es ihm nicht zeigen. Er bedankt und verabschiedet sich.
Am nächsten Tag laufe ich mit Reza durch die Straßen, als ein junger Mann freudestrahlend auf uns zueilt. Ich denke ihm ersten Moment, dass Reza ihn wahrscheinlich kennt. Er streckt Reza die Hand entgegen und sagt: "Hello, where do you come from?" Reza: "I come from Esfahan!"
Noch Stunden später lachen wir uns darüber halb schlapp, wie witzig ist das denn! Der Typ hat wahrscheinlich nur mich gesehen und sich gefreut wie ein Schnitzel, dass er Touristen ansprechen kann. Keine Ahnung, ob das bei euch auch so lustig ankommt, oder doch ein Insider bleibt.
Noch Stunden später lachen wir uns darüber halb schlapp, wie witzig ist das denn! Der Typ hat wahrscheinlich nur mich gesehen und sich gefreut wie ein Schnitzel, dass er Touristen ansprechen kann. Keine Ahnung, ob das bei euch auch so lustig ankommt, oder doch ein Insider bleibt.
Solche und noch viele andere lustige und nachdenkliche Dinge passieren einem hier täglich. Man weiß eigentlich nie, was die nächsten Stunden so bringen. Man kann in eine Moschee laufen und plötzlich redet man eine halbe Stunde mit einem Turbanträger in bestem englisch oder man wird von einem Passanten einfach so zum Feuertempel geführt und landet danach im Wohnzimmer seiner Mutter beim Tee. Oder zwei Gerüstbauer erklären einem eine Moschee und zeigen einem, wo man sich hinstellen muss, damit man die Akustik am besten hören kann. Ein Teppichhändler, der einen nur so zum Tee trinken in sein Geschäft einlädt, ein alter Mann, der Gewürze verkauft und unbedingt fotografiert werden will. Am besten man nimmt sich nicht zuviel vor an einem Tag, denn meistens haut der Plan sowieso nicht hin.
Die letzten Tage hier in dieser wunderschönen Stadt sind angebrochen und ich habe längst nicht alles gesehen.
Es gibt hier soviel zu sehen und ich entdecke jeden Tag etwas Neues. Ein Tag ist der Besichtigung der Brücken gewidmet. Leider, wie schon geschrieben, ist hier nur nach der Schneeschmelze Wasser im Fluss, jetzt bieten die Brücken einen recht traurigen Anblick. Es gibt dort unter anderem die Si-o-se pol (die 33 bogige Brücke), erbaut von Shah Abbas I. 1602. Die schönste von Ihnen ist die Pol-e Khadjou, die 1630 von Shah Abbas II. erbaut wurde, um den Anschluss an die wichtige Fernstraße nach Shiraz herzustellen.
Entlang des Flussbettes verläuft kilometerlang ein Park, sehr gepflegt, kein Müll, immer wieder kleine Springbrunnen und vor allem viel Schatten. 5 Feuerwehrmänner, die heute frei haben, laden mich auf ein Glas Tee ein.
An einem anderen Tag besichtige ich das Armenierviertel Jolfa. Dieses Viertel ist entstanden, als Shah Abbas im Jahre 1605 30000 Armenier aus Jolfa hierher verschleppte. Das war für die Stadt damals sehr nützlich, denn die Armenier waren begabte Handwerker und verfügten als Händler über gute Verbindungen in große Teile der Welt. Es gibt dort noch ca. 12 armenische Kirchen, die schönste von ihnen ist die Vank-Kathedrale, die außen kaum an eine Kirche erinnert, wäre da nicht ab und an ein schlichtes Kreuz, eingelassen in die farbigen Kacheln des Ziegelbaus. Innen ist der Kirchenraum vollständig ausgemalt mit biblischen Szenen aus dem Neuen Testament. Die Armenier sind stolz darauf, als erstes Volk das christliche Bekenntnis übernommen zu haben.
Reza gabelt mich an einem Tag bei der Masdjid-e Hakim auf. Diese Moschee wurde 1656 erbaut, hat kein Minarett und von dem alten Bau sind nur am Nordeingang ein Teil des wunderschönen Ziegel-Eingangsportals zu sehen.
Wir fahren dann zu den schwingenden Minaretten, ca. 10 km außerhalb von Esfahan, was mir sehr recht ist, denn mit dem Rad hätte ich es wohl kaum gemacht und diese Attraktion weggelassen. Was wirklich schade gewesen wäre, denn die beiden Stummelminarette schwingen tatsächlich, wenn man an einem wackelt. Wir kommen gerade rechtzeitig zu einer Vorführung, bei dem ein Wärter auf eines der Minarette steigt und von innen anfängt, das Minarett zu bewegen. Um das ganze noch eindrucksvoller zu gestalten hängen an beiden Minaretten Glocken und nach einer kurzen Zeit fängt auch die andere Glocke an zu läuten und man sieht, wie beide Minarette sich bewegen. Unglaublich, noch dazu sind diese aus dem 14. Jahrhundert. Mir wäre dabei in dem Minarett nicht wohl. Wie auf einer Tafel beschrieben, ist für die Minarette wohl sehr leichtes Material verwendet worden und die Statik so ausgeklügelt, dass das Minarett nicht umfallen kann. Wirklich sehr eindrucksvoll!
Heute ist der Tag der Touristen, weswegen bei allen Sehenswürdigkeiten der Eintritt frei ist. Dadurch komme ich in den Genuss, den Chehel Sotun (Palast der 40 Säulen) umsonst anschauen zu können. Dieser Palast ist der letzte der in der Safaviden-Zeit erbauten Gartenpaläste. Seit dem 17. Jahrhundert ist dieser Palast praktisch unverändert geblieben und wurde von Shah Abbas II. 1647 vollendet. Ein wunderschöner Garten mit Platanen und Pinien erstreckt sich um den Palast, auf den ein langgezogenes Wasserbecken zuläuft. 40 Säulen hat der Palast nicht, sondern nur 20, da sich alles aber in dem Wasserbecken spiegelt, bekam der Palast seinen Namen. Die Eingangskuppel ist verspiegelt und die Deckenpaneele unter dem Vordach sind mit bunten Ornamenten bemalt. Im Hauptsaal ist alles mit Wandmalereien verziert. Empfangsszenen und Schlachten werden dargestellt und leuchten in den schönsten Farben. Im südlichen Nebenraum sind Malereien von sehr freizügig gekleideten Hofdamen zu sehen, ein Wunder, dass diese die Zeiten überdauert haben.
Zum Mittagessen lädt mich Reza in ein Biryan-Lokal ein. Biryan ist eine sehr fettige Angelegenheit. Hammelfleisch wird ganz fein zu Hackfleisch verarbeitet und mit Mandelsplittern gebraten. Das ganze kommt dann auf das leckere Barbari-Fladenbrot. Dazu wieder ein Schüsselchen Grünzeug und weil Reza denkt, ich esse wie 3 Mann bestellt er noch 2 Kebabs dazu. Ich rolle hinterher aus dem Lokal, an zahlen ist natürlich wieder mal nicht zu denken. Außerdem kauft er mir für abends noch ein Fladenbrot, damit ich auch ja nicht verhungere. Dann fahren wir aus der Stadt raus zu einem wunderschön angelegten Park, von dem man einen phantastischen Blick über die Stadt hat. Hier lässt er es sich nicht nehmen, auch noch meinen Rucksack den Berg rauf- und runter zu schleppen.
Wunderschön auch ist die Masdjed-e Djome (Freitagsmoschee), eine der ersten 4-Iwan-Hofmoscheen in Persien. Ein Iwan ist ein von einem Tonnengewölbe überspannter Halbraum. In der Mitte der 4 Iwane, die meistens nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet sind, befindet sich der große Hof, auf dem die Gebete stattfinden. Die Moschee wurde hier Mitte des 11. Jahrhunderts erbaut und ist vor allem deswegen interessant, weil hier Bauteile aus 7 Jahrhunderten zu sehen sind.
Auf den Spuren des "Medicus" versuche ich das Krankenhaus, in dem der bekannte Arzt und Philosoph Ibn Sina (auch als Avicenna bekannt) seine Patienten behandelt hat, zu finden. Leider ohne Erfolg, lediglich die Ibn Sina-Straße finde ich. Sein Grab sowie eine Statue des berühmten Arztes liegen in Hamadan, was leider nicht auf meinem Weg liegt.
Hier noch ein paar der wunderschönen Fayencearbeiten, die man in Esfahan bewundern kann.
So vergehen hier die 6 Tage wie im Flug und morgen ist es Zeit, weiter zu radeln.
Reza hat mich an einen Freund in Yazd weiter empfohlen, der mir ein günstiges Hotel suchen und für mich die Bahnfahrt von Yazd nach Kerman organisieren wird. Ich will eigentlich ins Silk Road Hotel, das mitten in der Altstadt liegt. Aber ich werde mich mal auf alles einlassen, was mir Nasr, der Freund von Reza organisiert.
Leider wird es nun wahrscheinlich doch nichts mehr mit dem Ateshooni Guesthouse, da ich nicht erzählen wollte, dass ich in die Wüste fahren will. Das hätte wieder keiner gutgeheißen und da ich nun in 3 Tagen, in 4 Tagen spätestens in Yazd erwartet werde, wird der Besuch dort wahrscheinlich ausfallen.
Ob mir die Geheimpolizei wieder folgt? Wir werden sehen....
Chodafez Esfahan!!!!!
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