Um 7 Uhr ist Mahsoud wieder hier und macht Frühstück. Es gibt Spiegeleier, Fladenbrot, Schafskäse, Karottenmarmelade und natürlich Tee. Das Frühstück ist natürlich nicht nur für mich, sondern für alle anderen, die hier oben arbeiten. Da gibt es die Mulitreiber, die das Gepäck für die Touristen und die Lebensmittel zum Base Camp III rauftragen und den Abfall wieder runter. Außerdem die Jeepfahrer, die sich ein gutes Geld mit dem Transport des Gepäcks und der Touristen hier hinauf nach Gusfandsara verdienen. Dann noch Guides, die mit den Touristen (meistens Iraner) auf den Damavand steigen.
Ich sehe ihn heute morgen nur in Wolken, aber es ist schon eindrucksvoll wie hoch er ist, bin ich doch schon auf 3000 Metern Höhe. Nach dem Frühstück kommt mein ganzes Gepäck, das ich nicht brauche, in Mahsouds Blechhütte und das Rad wird abgesperrt. Er verspricht mir, dass es jede Nacht in seine verschlossene Blechhütte kommt, damit es nicht wegkommt. Alle meine Wertsachen nehme ich mit.
Der Blick über die umliegenden Berge ist von hier oben einfach grandios, vor allem wenn die Sonne noch nicht so hoch steht und die Bergtäler lange Schatten werfen.
So gehe ich bepackt mit meinem Rucksack, mit Zelt, Schlafsack und Isomatte los. Die nächste Hütte und Ausgangspunkt für den Gipfelsturm liegt auf 4200 Metern. Auf dem Weg dorthin begegnen mir fast nur Iraner, die hier am Wochenende versuchen, den Damavand zu erklimmen. Den wenigsten gelingt das. Ich sehe eine Frau, die schon so fertig ist, dass ihr Mann auch noch ihren Rucksack schultern muss. Weiter als zum Camp auf 4200 kommt sie sicher nicht mehr. Der Begrüßungssatz hier oben ist "chaste nabushid", was soviel heißt wie, "mögest Du nicht müde werden". Von jedem zweiten werde ich gefragt, wo ich herkomme. Daraus ergeben sich ganz witzige Kurzbekanntschaften. Von einem Mann bekomme ich Süßigkeiten aus Isfahan geschenkt. Den Namen der Süßigkeit habe ich vergessen, aber es schmeckt ein bisschen wie türkischer Honig mit Pistazien drin. Für meinen Geschmack ist allerdings etwas zuviel Rosenwasser drin.
Ich brauche ungefähr 6 Stunden bis ich oben ankomme. Es geht eigentlich ganz gut mit der Höhe und ich komme gut klar. Es stehen schon einige Zelte auf den vorbereiteten Plattformen und ich suche mir einen Platz aus, möglichst weit weg von den anderen Zelten, da ich keine Lust auf Geschnarche vom Nachbarzelt habe. Leider funktioniert das aber nicht so gut, weil bis abends doch noch einige Leute ankommen. Es ist ziemlich was los am persischen Wochenende.
Ich baue als erstes mein Zelt auf und gehe dann zur Hütte hoch. Es gibt dort Tee und eine leckere Suppe, alles für ca. 2,50€. Von Mahsoud habe ich noch 2 Bananen gekauft, dazu die Süßigkeiten aus Isfahan, 3 Tütchen Nüsse aus Deutschland, das wars. Zuerst will ich eigentlich schon nach dem Clo fragen, aber das erübrigt sich dann, denn man muss nur einfach dem Gestank folgen. Boa, sowas übles an Clo habe ich im Leben noch nicht gesehen. Das ganze ist in einem Steingebäude untergebracht. Es gibt ca. 5 Clos, natürlich Plumpsclos. Aber das wäre ja nicht das Übelste. Erstens stinkt es unbeschreiblich, zweitens ist in der Blechplatte im Boden einfach nur ein Loch und man sollte nicht so genau schauen, denn darunter türmt sich im wahrsten Sinne des Wortes die Scheiße der Vorgänger. Wer von euch den Film "Slumdog Millionaire" gesehen hat und sich an die Szene erinnert, wo der Junge in das vollgeschissene Clo springt, kann sich ungefähr vorstellen, wie es hier aussieht. Auf dem Foto, das ich mache, kommt das ganze nicht mal so schlecht daher. Schade nur, dass ich keine Geruchsprobe schicken kann. Waschbecken und Seife natürlich Fehlanzeige. Draußen stehen zwei große Regentonnen mit Wasser, wo man sich mit einem kleineren Behältnis die Hände waschen kann. Aus den Tonnen soll man dann den Krug, mit dem man das Loch irgendwie gesäubert hat, auffüllen. Ein paar Leute treffen nicht mal das Loch und dann muss man auch noch schauen, dass man nicht da auch noch reinlatscht. Ich kremple erst mal meine Hose hoch, bevor ich das Clo betrete. Absperren kann man auch nur zwei der Türen. Seltsamerweise sind hier Männlein und Weiblein nicht getrennt. Auch das mit Tuch und Kutte interessiert über 3000 Metern niemanden mehr.
Nachdem ich diese erste Clo-Erfahrung in den Bergen hinter mir habe ist es auch schon fast dunkel geworden. Ich kaufe mir noch eine Flasche Wasser und gehe dann in mein Zelt.
Der Wecker wird auf 5.45 Uhr gestellt, denn ich will noch vor Sonnenaufgang los. Oben immer noch Wolken ohne Ende und es wird auch hier schon langsam ziemlich frisch. Aber mein Schlafsack ist wirklich super warm, auch wenn ich mit Softshell-Hose und langem Sportoberteil schlafe. Natürlich wird hier bis tief in die Nacht lautstark geredet und gelacht und man kann kein Auge zu tun. Also werden die Ohropax rausgekramt. So geht es einigermaßen.
Mitten in der Nacht wache ich auf, weil es ziemlich windig ist. Ich habe mein Zelt ja ohne Heringe aufgestellt, weil der Boden so steinhart ist, dass man keinen Hering reinbekommt. Aber das Zelt hält, natürlich auch, weil ich drin liege :-) Aber was höre ich da? Es prasselt auf mein Zelt. Das darf doch nicht wahr sein, dass das jetzt zum Regnen anfängt. Ist ja mal wieder typisch, ich bin hier in einem Wüstenland und schlafe im Regen. Es wird komischerweise immer kälter und als ich morgens rausschaue, ist mir alles klar. Das war gar kein Regen, das war Schnee. Alles zugeschneit hier und am Damavand oben dicke Wolken. Da ich aber einige Leute mit Stirnlampen sehe, die sich auf den Weg nach oben machen, mache ich mich auch startklar. Nach ein paar hundert Metern kommen mir die Leute schon wieder entgegen und erzählen, dass es oben Gewitter und einen Schneesturm gibt und heute niemand da hoch sollte, das wäre viel zu gefährlich. Ich gehe also wieder ins Zelt zurück, um noch etwas zu schlafen, und tatsächlich fängt es an zu Donnern und zu Blitzen da oben und es schneit auch nochmal. Später gehe ich in die Hütte und frühstücke dort Tee mit Fladenbrot und Schafskäse.
Gegen Mittag ist das Wetter soweit gut geworden, dass ich eine kleine Akklimatisationstour auf 5000 Metern Höhe zu einem gefrorenen Wasserfall machen will. Ich treffe beim Aufstieg 3 Österreicher, mit denen ich mich schon zuvor unterhalten hatte. Die 3 sind total verrückt. Sie haben gestern ihre MTB bis zum Wasserfall hochgetragen und wollten heute auf den Gipfel damit und dann ein Downhill bis zur Hütte machen. Allerdings haben sie jetzt festgestellt, dass da oben viel zu viel Schnee ist und sind nochmal hoch, um die Räder wieder runter zu tragen. Da soll nochmal einer sagen, ich wäre verrückt.
Kurz vor dem Wasserfall auf ca. 4800 Metern Höhe beginnen dann die Wolken und es wird brutal windig und eisig kalt. Ich habe keine Lust, in diese Suppe reinzulaufen und kehre wieder um. Als kleine Tour vor dem Gipfelsturm ist es nicht schlecht gewesen. Hoffentlich wird das Wetter morgen wirklich besser. Als ich wieder am Zelt bin, fragen mich 3 Iraner im Nebenzelt, ob ich Tee möchte. Da habe ich jetzt total Lust drauf, es ist wirklich ziemlich kalt geworden. Es gibt außerdem die leckersten Datteln, die ich jemals gegessen habe. Als kleines Geschenk bekomme ich noch 4 Limonen. Aus denen machen die hier ein leckeres Getränk, das sie zum Bergsteigen mitnehmen. Wasser, eine der Limonen rein und Zucker dazu. Total Mega-lecker!!!! Auch so werden die Limonen (ähnlich wie Limetten, aber noch etwas kleiner und gelb wie unsere Zitronen mit einer ganz weichen Haut), in Gerichten verkocht oder in Scheiben geschnitten und so gegessen. Tolle Erfrischung für heiße Tage. Wir unterhalten uns ganz gut und die Österreicher kommen auch noch dazu. Einer aus der Irantruppe, ein älterer Mann sagt dann noch zu mir "Scheich no good, Hedschab no good!" Ich enthalte mich eines Kommentars.
Zum Abendessen gibt es wieder leckere Suppe auf der Hütte. Eine Art Tomatensuppe mit Nudeln und Reis drin. Bei der Kälte ist das wirklich genau das Richtige.
Ich bereite dann wieder mal alles für morgen vor, fülle meinen Wasservorrat auf, checke, was ich noch zum Essen habe und gehe dann schlafen
Gegen Mitternacht werde ich von Blitz und Donner direkt über meinem Zelt geweckt. Ich kann es echt nicht glauben, geht's eigentlich noch? Was ist denn hier los? Und dann geht es mit dem Schneesturm und Gewitter los. Einfach unglaublich. Ich muss gleich mal meine Go Pro rauskramen und das filmen. Also was heißt filmen, eigentlich wird nur das donnern und das Prasseln des Schnees auf meinem Zelt audiomäßig aufgenommen.
Das kann doch alles gar nicht wahr sein. Was soll ich also tun? Noch einen Tag hier versauern? Darauf habe ich eigentlich keine Lust, aber ich will ja schon unbedingt da rauf. Heute hat mir einer erzählt, dass das Wetter morgen super werden soll. Keine Ahnung, welche App er da benutzt hat. Es bleibt spannend, dranbleiben, was als nächstes passiert.
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