Freitag, 1. Juli 2016

T´aarof

                           T´aarof -  تعارف



T´aarof bedeutet „sich bekannt machen“. Es ist eine Art den eigenen Willen zu verleugnen, um dem Gegenüber zu gefallen.

In der iranischen Kultur ist es eine besondere Form der Höflichkeit. Man muss T´aarof jedoch richtig zu deuten wissen.
Einmal umfasst T´aarof das soziale Verhalten gegenüber den Mitmenschen.

Ein Beispiel: Wenn jemand einem anderen die Tür öffnet. Hier wäre es total unhöflich, wenn man sich bedankt und sofort durch die Tür geht. Zuerst sollte man ein paar mal sagen: "Nein, gehen Sie zuerst." Natürlich werden jetzt beide darauf bestehen, dass der jeweils andere zuerst durch die Tür geht.

Ein anderes Beispiel: Ein Ladeninhaber weigert sich einem Kunden gegenüber anfangs, den Preis für eine Ware zu nennen. Er sagt dann: „Gh'aabel nadaareh”, was wörtlich „wertlos“ bedeutet. Eigentlich will der Ladenbesitzer damit ausdrücken, dass der Kunde für ihn mehr Wert hat als die Ware oder wichtiger ist als die Ware. T´aarof zwingt den Kunden, mindestens 3x darauf zu bestehen zu bezahlen, bevor der  Ladenbesitzer den Preis nennt und das Feilschen beginnen kann.

T´aarof kann jedoch auch zu Missverständnissen und Problemen führen. Hierzu ebenfalls ein Beispiel: Aus reiner Höflichkeit bietet ein Freund dem anderen eine Mitfahrgelegenheit an, und dieser nimmt dieses Angebot dankend an. Jetzt steckt der Fahrer richtig in der Klemme. Höchstwahrscheinlich wird er innerlich fluchend den Freund mitnehmen. Nach den Regeln des T´aarof aber hätte der Freund, der dieses Angebot bekommen hat, die Mitnahme mindestens 3x ablehnen müssen. Wenn das Angebot dann immer noch ausgesprochen wird, ist es tatsächlich ernst gemeint.

Auch anders herum kann es zu Missverständnissen führen, z.B. wenn ein Iraner zu uns zu Besuch kommt und noch nicht mit den deutschen Gepflogenheiten vertraut ist. Wir fragen ihn, ob er etwas trinken will. Er lehnt - T´aarof beachtend - ab. Wir würden dann etwas sagen wie: "Wenn Du Durst bekommst, sag mir Bescheid", oder "Hier ist der Kühlschrank, nimm Dir einfach was!" Der Iraner wird nun verzweifelt darauf warten, dass ihm erneut etwas angeboten wird und durstig nach Hause gehen.
T´aarof ist auch die Richtlinie der Gastfreundschaft: ein Gastgeber ist dazu gezwungen, dem Gast alles anzubieten, was dieser eventuell benötigen könnte. Das Ritual wird sich evtl. mehrmals wiederholen (mindestens 3x) bis der Gastgeber und der Gast schlussendlich wissen, ob das Angebot des Gastgebers oder die Ablehnung des Gastes echt sind oder einfach nur höflich.
Es ist möglich, jemanden zu bitten T´aarof nicht anzuwenden (t´aarof nakonid), aber das bringt nur wieder neue Probleme mit sich, denn diese Frage an sich könnte eine hinterlistige Art des T´aarof sein.
Für ein etwas besseres Verständnis, könnt ihr euch hier ein amüsantes Video über T´aarof anschauen:

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