Sonntag, 3. Juli 2016

Religion, Kultur, Schrift, Zahlen und Sprache





Mein heutiger Eintrag behandelt die Religion, Kultur, die persische Schrift sowie die Zahlen.

89-95% der Iraner sind Schiiten, 4-10% Sunniten.

Das Glaubensbekenntnis des Schiitentums unterscheidet Iran am stärksten von seinen Nachbarn. Beide glauben an Gott sowie an Mohammed als den letzten Propheten. Der Unterschied zwischen beiden liegt in der Frage, wer zum Führen der islamischen Gemeinde legitimiert sei.

Die Schiiten erkennen nur direkte Nachkommen des Propheten Mohammed als rechtmäßige Führer an und bezeichnen sie als Imame. Es lebten insgesamt 11 Imame, die in Iran sehr verehrt werden (z.B. Imam-Reza-Schrein, Schrein der Fatima Masuma). Es heißt, dass der 12. Imam, der im Verborgenen gelebt hat, eines Tages erscheinen wird und die Welt zum Islam führen würde.

Eine aus historischem und kulturellem Blickwinkel hohe Bedeutung hat die älteste iranische Religion, der Zoroastrismus. Sie wurde zwischen 1200 und 700 v. Chr. von Zarathustra gestiftet. Vor allem der für die damalige Zeit innovative Monotheismus und der religiöse Dualismus (Himmel und Hölle, Gott und Teufel) hat zweifellos später entstandene Religionen beeinflusst, worauf viele Iraner auch heute noch stolz sind.
Ihre Zentren liegen in Yazd und Kerman, wo in den Feuertempeln nach wie vor heilige Flammen brennen.

Juden leben seit dem Altertum im heutigen Iran, umgekehrt hat Iran in der jüdischen Geschichte einen bedeutenden Platz, weil König Kyros II. die Rückkehr jüdischer Bevölkerungsteile aus dem babylonischen Exil ermöglichte.

Das Christentum in Iran hat ebenfalls eine lange Geschichte; vor der Islamisierung Irans wanderten viele Nestorianer nach dem heutigen Iran ein. Heute leben in Iran etwa 60 000 assyrische Christen sowie die Nachfahren der etwa 300 000 armenischen Christen, die unter den Safawiden ins Land geholt worden waren; ihr Zentrum ist bis heute in Isfahan.





Wörter werden von rechts nach links geschrieben, ebenso schlägt man ein Buch hinten auf und liest nach links - also vorne. Das persische Alphabet besteht aus 32 Buchstaben.




Die Zahlen wiederum werden von links nach rechts geschrieben, sehen aber auch anders aus:




Ich bin schon sehr gespannt auf dieses vielfältige Land mit seinen verschiedenen Kulturen und Volksstämmen.

Das iranische Volk besteht aus einem Gemisch von unzähligen Ethnien. Die Hauptgruppen sind mit 60-65% Perser, Kurden (7-10%), Luren (6%), Belutschen (2%), Aserbaidschaner (17-21%), Araber (2%). Außerdem gibt es eine große Zahl kleiner Ethnien, wie Turkmenen, Kaschgai, Parsen, Osseten, Tadschiken, Jaghnoben, Talyschen, Gilaken, Kumzaren, Paschtunen, Zaza, Bachtiaren, Armenier, Masanderaner und nicht zuletzt die bereits vor den Persern hier lebenden Assyrer.

Genauso zahlreich wie die Volksstämme sind dementsprechend auch die Sprachen. Amtssprache ist jedoch Persisch. Heutzutage sprechen 85% der Iraner persisch, 5% verstehen es und 10% können es überhaupt nicht. In den 1930er Jahren sprach jede Ethnie nur ihre eigene Sprache. Die arabische Sprache hat nur einen Anteil von 2%, da aber die Sprache des Koran das Arabische ist, müssen alle Kinder auch arabisch lernen. Englisch ist nach dem Arabischen die zweite Fremdsprache an den Schulen.

Ich hoffe, dass ich bis zu meiner Reise so gut persisch spreche, dass ich mich einigermaßen unterhalten kann. Alborz meint, das würde ich schaffen, ich bin davon noch nicht so überzeugt.


Noch eine kleine Anmerkung am Rande, die viele Menschen nicht wissen und ich mich selbst auch noch nicht daran gewöhnt habe: es heißt "ich fahre nach Iran" und nicht "in den Iran" - einfach an Italien denken, schon sagt man es richtig :-)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen