Um es gleich mal vorweg zu nehmen, hier ist nichts so, wie man es sich vorstellt und dann wieder doch, manchmal noch schlimmer. Um aber meine verschiedenen Gastgeber nicht in Schwierigkeiten zu bringen, wird politisch nichts kritisches in meinen Posts erscheinen. Erst wenn ich wieder zurück bin, gibt es eine Zusammenfassung mit geänderten Namen.
Außerdem funktioniert, wie ihr anhand des Mails seht, auch Blogger.com nicht im Iran. Daher gibt es die Infos jetzt regelmäßig (hoffentlich) per e-Mail. Den Blog, den ihr gestern noch bekommen habt, war schon vorbereitet, daher hat das noch funktioniert. Aber ich konnte ihn nicht auf Facebook posten, weil ich an meinen Blog jetzt nicht mehr rankomme. Lange Rede, gar kein Sinn, wie Ina sagen würde, kommen hier meine Erlebnisse.
Nachdem ich das Visum doch noch rechtzeitig bekommen habe und ich endlich mein Gepäck zusammengepackt und verschnürt habe, geht es am 24.8. 2016 bzw. am 3. Shahriwar 1395 los in mein Abenteuer. Von meinem Schatz und ein paar Freunden werde ich noch gebührend am Münchner Flughafen im Airbräu bei Weißbier und Schweinekram verabschiedet.
Der Flieger startet schon mal mit Verspätung in München und da über Istanbul bei Ankunft ein fettes Unwetter runtergeht, kreisen wir ewig über der Stadt. Die Boarding-Zeit für meinen Weiterflug nach Teheran ist schon lange überschritten. Hoffentlich warten die noch etwas auf mich.
Als wir endlich landen, ist das Abflugsgate zum Glück gleich um die Ecke, und mit Last Call springe ich in den Zubringerbus zum Flugzeug. Um 1.20 Uhr soll schon Abflug sein, um 1.10 Uhr sitze ich noch im Bus. Außer mir noch 8 weitere Nachzügler. Das Flugzeug wartet auf uns - ob das Umladen des Gepäcks noch funktioniert hat? Ich bin skeptisch.
Der Flug dauert dann nochmal 3 Stunden und sogar noch vor der Ankunftszeit landen wir um 5.15 Uhr in Teheran. Leider ist es noch dunkel, so dass ich von der Elburz-Gebirgskette nichts erkennen kann. Die Passkontrolle geht ganz schnell, Stempel in den Pass rein und schon bin ich durch.
Als ich die Rolltreppe zum Baggage Claim runterkomme, sehe ich schon Sasan und Hamid, seinen Sohn dort stehen. Wie verabredet im coolen St. Pauli-T-Shirt und wir winken uns wie alte Freunde zu.
Gleich kommt auch schon mein erstes geschnürtes Bündel, also hat es mit dem Umladen doch funktioniert. Sogar das Fahrrad kommt dann auf dem Band daher, da ist nichts mit einem "Bulky-Luggage"-Band. Mir soll`s recht sein. Ich lade alles auf den Wagen. Hier steht dann beim Weitergehen nochmal ein Security-Mensch, der als menschlicher Zufallsgenerator arbeitet und mich natürlich rauszieht. Nun müssen meine beiden Bags nochmal auf das Durchleuchtungsband. Das Rad? Ich soll doch bitte zum Zoll rüberrollen. Na, hoffentlich muss ich dass jetzt nicht alles auspacken, das bekomme ich so nie wieder in den Karton rein. Aber alles läuft glatt, ich werde nur gefragt, ob das Rad gebraucht ist. Und nach einem "Welcome to Iran" bin ich nun endgültig angekommen.
Bei Sasan und Hamid fühle ich mich gleich wohl. Sasan spricht durch seinen Aufenthalt in Deutschland vor 20 Jahren perfekt Deutsch und Hamid spricht ein klasse Englisch. Wo er das gelernt hat? Durch Videogames. Ich kann es echt nicht glauben.
Der Transport des Radkartons ist auch absolut kein Problem, der Länge nach in den Kofferraum, mit einem Expander den Kofferraumdeckel verschnürt und schon ist alles eingeladen und wir können losfahren.
Mittlerweile ist die Sonne aufgegangen, aber es ist noch nicht so heiß, ein strahlendblauer Himmel begrüßt mich und in der Ferne wird die Spitze des Damavand von der Sonne angestrahlt. Was will man mehr?
Verkehrstechnisch ist noch nicht viel los, es ist ja auch noch früh, Spuren werden nicht eingehalten, aber es ist kein
Hupkonzert wie in Indien. Wirklich krass ist die Einfahrt in den Kreisel, da wird einfach gefahren, wann man meint und jede kleinste Lücke wird ausgenutzt. Ansonsten geht alles aber recht gesittet zu. Hamid meint allerdings, ich soll mal warten, bis wir nach Teheran reinkommen.
Das ist heute aber nicht geplant, die Wohnung der drei (Sasan, Hamid und Mahnaz, die Frau von Sasan) liegt ca. 1/2 Stunde westlich von Teheran in Karaj. Da wir mit dem offenen Kofferraum nicht auf der Autobahn fahren dürfen, brauchen wir 1 Stunde bis wir dort sind.
In einem Park sehen wir Fitness-Geräte, an denen auch Frauen trainieren. Klar, mit Kopftuch, das aber mehr als Zierde auf den Haaren liegt, als dass es etwas bedeckt. Das sei hier in Teheran total lässig und warum ich mich so eingemummt hätte? Natürlich sollte man sich in kleineren Dörfern auf dem Land etwas mehr bedecken, als in den Großstädten.
Sasan wohnt in einem schönen Neubaugebiet, das sehr ruhig gelegen ist. Seine Frau Mahnaz, eine ganz liebe und herzliche Person, hat immer ein Lachen im Gesicht und heißt mich willkommen und meint, ich soll doch erst mal das Tuch runternehmen und warum ich überhaupt so eingemummt bin? Mann, bin ich froh, als ich das Teil runterreißen kann. Da muss in Zukunft was leichtes und lockeres her, habe zum Glück ein paar Tücher zur Auswahl dabei. In der Wohnung wird einfach mit kurzer Hose, T-Shirt oder was auch immer rumgelaufen.
Als erstes werde ich mit einem leckeren Frühstück versorgt. Es gibt weiches Fladenbrot, warm aus dem Ofen, Schafskäse, selbstgemachte Marmelade und Tee. Danach sogar noch einen Cappuccino mit aufgeschäumter Milch. Klar, wer hier ein Café eröffnen will, muss schon wissen, wie guter Kaffee schmeckt. Leider konnte das Café noch nicht eröffnet werden, da vor 2 Tagen die Espressomaschine kaputt gegangen ist.
Wir unterhalten uns über Gott und die Welt und ich merke nach den paar Stunden schon, dass es ein Land der unglaublichen Gegensätze ist. Ich werde hier nicht näher darauf eingehen. Dazu werde ich dann einen separaten Post erstellen.
Auch mit Farsi wird es sicher bald wirklich gut gehen, denn ich verstehe jetzt schon immer mehr. Mit Mahnaz wird ein Kauderwelsch aus englisch, deutsch und Farsi gesprochen. Ich fühle mich hier sehr gut aufgehoben, fast wie bei Freunden, die ich schon jahrelang kenne.
Schlafen werde ich in Hamids Zimmer, der es kurzerhand für mich geräumt hat und jetzt mit im elterlichen Schlafzimmer schläft. Schon hier erfahre ich eine unglaubliche Gastfreundschaft, so dass ich mich von Anfang an einfach sauwohl fühle.
Ich muss mich dann aber erst mal ein paar Stunden hinlegen, denn im Flugzeug habe ich nicht wirklich viel geschlafen.
Als ich gegen Mittag wieder rauskomme, gibt es schon Mittagessen. Mahnaz hat wirklich toll gekocht. Es gibt Salat, Erbsen, Kartoffeln, sehr zartes Huhn in einer Safran-Zwiebel-Knoblauch-Sauce und als ganz besonderes Highlight einen eingelegten Knoblauch, der 8 Jahre braucht, bis er soweit ist.
Danach ist dann Mittagsschlaf angesagt, ich schreibe derweilen Tagebuch und genieße meine ersten Stunden im Iran.
Später gehen wir in die Stadt und schauen uns das Leben auf der Flaniermeile an. Ich hätte nie erwartet, dass so viele Frauen unterwegs sind, schwarz sieht man nicht wirklich viel und Komplettverschleierung trägt hier niemand. Die Frauen sind aufgestylt, mit hohen Schuhen, knallengen Hosen und taillierten Blusen drüber. Die meisten haben lange Haare, die entweder einfach hinten unter dem Tuch rausschauen oder zu einem Dutt gebunden werden. Der Dutt dient dann als Halterung für das Tuch, denn so kann man es möglichst weit hinten am Kopf plazieren. Nur selten noch wird man von der Geheimpolizei darauf angesprochen, die Frauen lassen sich hier nichts mehr gefallen. Ich werde ziemlich neugierig beäugt, falle ich doch mit meinen hellen Augen und dem Piratentuch sofort auf. Hamid sagt, dass sie sich alle freuen, wenn sie Ausländer sehen, zeigt es ihnen doch, dass sich Fremde für ihr Land interessieren und das ist ihnen sehr wichtig. Leider sind die meisten zu schüchtern, um mich anzusprechen, meint Hamid - sie hätten Angst, dass sie sich vor mir lächerlich machen. Was soll ich denn da sagen? Wahrscheinlich werde ich in den 3 Monaten in jedes Fettnäpfchen reinlaufen, das da am Wegesrand liegt.
Zuerst gehen wir zu einem Geldwechselladen, der sich inmitten der Schmuckläden versteckt hat. Für 100€ bekomme ich 3.9 Millionen Rial, aber so ein großes Bündel, wie ich erwartet habe, ist es dann doch nicht. Das einzige Problem, was ich am Anfang haben werde ist, dass die meisten Preise im Iran nicht als Rial angeschrieben werden, sondern in der Schattenwährung Toman. Wenn nun der Preis in Toman genannt wird, muss man aber eine Null dranhängen und diesen Betrag in Rial hergeben. Auch das Ausrechnen, wieviel Euro dass denn nun sind, kapier ich "Mathegenie" natürlich erst mal nicht :-) Bei dem Betrag in Toman also durch 4 teilen und 3 Nullen weg, bei dem Betrag in Rial natürlich auch durch 4 teilen und 4 Nullen weg, oh Mann, das kann ja heiter werden.
Weiter geht es durch die Straßen und ich komme aus dem Schauen gar nicht mehr raus. In den Läden sind die tollsten Abendkleider und Spitzenunterwäsche zu sehen, in einem der Geschäfte sind ca. 2000 verschiedene Farben an Nagellack ausgestellt. Es werden bunt gefärbte Küken als Haustiere verkauft. Ich frage Hamid, warum die bunt angemalt sind, er meint, weil die Leute es gerne bunt hätten. O.K.?
An einem Stand essen wir sogenannte Sambuse, eine dreieckige Blätterteig-Tasche gefüllt mit diversen Sachen. Ich nehme eines mit Huhn. Sehr lecker! Dann geht es weiter durch die Straßen, die total voll sind mit Menschen. Mittlerweile ist es dunkel geworden und Hamid sagt, dass in ca. 1 Stunde nur noch junge Leute unterwegs sind. Seit ca. 2 Jahren darf man auch draußen im Freien in den Cafés sitzen. Auch Frauen und Männer, die nicht miteinander verwandt sind, werden nicht mehr von der Geheimpolizei belästigt. Später fahren wir dann zu dem Café, das die drei gemietet haben. Es ist ein süßer kleiner Laden mit 4-5 Tischen und einer gemütlichen Lounge-Ecke. Die Speisekarte gibt auch einiges her und wenn dann die Espresso-Maschine am Samstag aus Teheran geholt wird, kann es losgehen.
Heute ist ja quasi Feiertag, denn Donnerstag ist unserem Samstag ähnlich und Freitag ist wie bei uns der Sonntag. So sind die Parks voll mit Familien und Paaren, die hier Picknick machen. Es werden Kebabs und Maiskolben gegrillt und alle möglichen Köstlichkeiten ausgepackt. Dazu gibt es an einigen Stellen Wasserpfeifen und man riecht auch mal einen Joint. Ja, ihr habt richtig gehört. Auch Frauen kommen uns hier mit Rollerblades und Fahrrad entgegen und wenn beim Volleyballspielen das Kopftuch mal ganz vom Kopf rutscht, interessiert das keinen. Pärchen gehen händchenhaltend durch den Park, was vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Auch rauchende Frauen sieht man, die ernten zwar immer noch seltsame Blicke, aber sonst passiert nichts. Für mich ist das alles sehr interessant und Hamid lacht sich kaputt, als ich ihm am nächsten Tag zeige, wieviel Text ich für einen einzigen Tag geschrieben habe. Die nächsten Tage bin ich bei den Dreien und es kommt mir vor, als ob ich sie schon ewig kennen würde. So kriege ich einfach mal mit, wie ganz normale Menschen hier leben. Studiumeinschreibung für Hamid, Espressomaschine in Teheran abholen. Auf dem Rückweg besichtigen wir das Azadi-Monument (Monument der Freiheit) und kommen beim inoffiziellen BMW-Händler vorbei. Eigentlich wollen wir nur schnell ein Foto von mir vor dem Tor machen, aber da kommt einer raus, der so begeistert ist, dass ich bei BMW arbeite, dass wir gleich eine Exklusiv-Führung bekommen.
Sasan fährt mich dann nach meiner Zeit bei den beiden zu Ramesh, bei der ich über meinen iranischen Kontakt in München schon angemeldet bin. Sie wohnt im Nordosten von Teheran, was super ist, denn für den Start mit dem Rad ist das ein guter Ausgangspunkt. Auf dem Weg in die Stadt sehen wir auf dem Highway 2 Radler, die genauso bepackt sind, wie ich dann in Zukunft. Vielleicht treffe ich die beiden ja nochmal auf meiner Tour. Auch bei Ramesh werde ich von vorn bis hinten verwöhnt. Hier könnte man wirklich dick und fett werden. Sie kann es gar nicht glauben, dass ich zum Mittagessen (um 4 Uhr) nicht soviel esse. Kein Wunder, bei Sasan und seiner Familie habe ich ja schon zu Mittag gegessen. Will aber nicht sagen, um sie nicht vor den Kopf zu stoßen.
Ich will an dem Tag eigentlich noch zum Milad-Tower, aber Ramesh meint, das würde sich überhaupt nicht lohnen, weil die Fenster super dreckig sind und man nichts von der Aussicht da oben hat. Also fahre ich mit der U-Bahn ins Zentrum rein und gehe auf den Basar. Wenn man allerdings schon Basare in Kairo oder Fes, Marrakesch gesehen hat, ist der nichts Besonderes. Nur die Größe ist beeindruckend. Es soll einer der größten Basare der Welt sein.
Was wirklich schlimm ist, ist der Abgasgestank - unfassbar, was für ein Smog hier herrscht. Es kommt mir irgendwie schlimmer vor, als in Delhi, aber hier kommt auch noch dazu, dass es sehr heiß ist. Ca. 34 Grad haben wir, zum Glück eine trockene Hitze. Ich kann mir nicht vorstellen, hier länger, als 1 Woche zu leben. Da bekommt man ja auf jeden Fall irgend ein Lungenleiden.
Die nächsten 3 Tage werde ich hier auf wieder mit allen Mitteln gemästet, ich treibe mich einen Tag den ganzen Tag in Teheran rum, schaue mir den Golestan-Palast und das Nationalmuseum an, was wirklich zwei ganz besondere Highlights der Stadt sind. Am zweiten Tag habe ich keine Lust mehr auf die Hitze und den Gestank und stehe ganz früh auf, um noch zum Sonnenaufgang auf den Tochal zu steigen. Der Tochal ist der 3964 Meter hoher Hausberg von Teheran und liegt direkt im Norden der Stadt. Mit der U-Bahn bis zur Endstation und dann noch mit dem Taxi und schon kann der Aufstieg beginnen. Bei 1900 Metern geht es los und zum Glück ist man bis auf 2900 Metern immer im Schatten (zumindest wenn man früh los geht). Danach ist es mit der Sonne nicht mehr so schlimm, weil es hier oben dann angenehme 22 Grad hat. Der Blick auf die Stadt ist einfach unbeschreiblich, was für ein Riesenmoloch. Man sieht in der Früh noch einigermaßen gut, aber schon gegen Mittag hat sich eine dicke Smogglocke gebildet. Bis auf den letzten Biwak auf 3300 Metern geht es nach, dann wird es echt heftig. Und auf 3600 Metern frage ich mich allen Ernstes, ob ich das mit dem Damavand lieber bleiben lasse. Ich mein, nochmal 2000 Meter höher? Kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Aber probieren werde ich es. Die letzten 200 Höhenmeter sind eine echte Schinderei. Hat man sich kurz hingesetzt und meint, jetzt geht es wieder, ist man nach 50 Schritten schon wieder so außer Atem, dass man wieder stehen bleiben muss. Aber irgendwie schraube ich mich hoch und nachdem die beiden Männer hinter mir, die recht sportlich aussehen, auch nicht zum Überholen ansetzen, kann ich so langsam dann auch wieder nicht sein.
Endlich kommt der Gipfel in Sicht, der alles andere als spektakulär ist. Es sind zwei Biwaks da oben, einer aus Stein, der Neuere aus Blech. Als ich mir gerade meine Kutte runterreiße, da ich meine Fleece-Jacke nicht über das vollgeschweißte Teil ziehen will, kommt einer aus der Blechschachtel raus und meint, ich soll doch reinkommen, da wäre es schön warm. Hier oben bläst nämlich ein eiskalter Wind, obwohl es doch 18 Grad hat. Hier oben interessiert es keinen, ob man als Frau Kopftuch trägt oder die Bluse. Mir sind auch 2 Frauen entgegen gekommen und irgendwie dachte ich mir, da stimmt was nicht. Als ich mich dann nochmal umdrehe, ist mir klar, ja stimmt - die haben gar kein Kopftuch auf.
In der Blechschachtel sitzen noch 7 andere Männer, einer mit seinem Sohn. Ich natürlich die einzige Frau und dann wird erst mal das Essen untereinander ausgetauscht. Ich habe noch leckere Gebäckteilchen von Mahnaz dabei, da fahren alle drauf ab. Im Austausch gibt es Fladenbrot, Nüsse, getrocknete Früchte. Um 14 Uhr war ich oben und bis 15.30 Uhr fährt die Gondel. Deshalb halte ich mich nicht lange auf und laufe zur Seilbahn. Ein ganz Netter aus der Hütte kommt mit, der sich wohl vorgenommen hat, sich um mich zu kümmern. Wir fahren zusammen mit der Gondel runter, er zahlt mir den Shuttlebus zum Parkplatz und kümmert sich drum, dass ich auch gut ein Taxi finde.
Die Menschen sind einfach wahnsinnig lieb, freundlich und hilfsbereit. Gestern wollte mir schon einer mein U-Bahn Ticket zahlen. Er sah aber nicht sehr reich aus und ich hab dann 3x abgelehnt, war bestimmt Taarof :-)
Als ich später - wahrscheinlich ziemlich stinkend - in der U-Bahn sitze, wäre ich sicherlich von so einer Stinkerin abgerückt. Nicht hier, da steigt noch eine Frau ein, die noch Platz braucht, also wird so eng zusammengerückt, dass sie sich auch noch setzen kann. Auf der Rolltreppe dann, steht eine junge Frau neben mir und ganz am Ende der Rolltreppe fast sie wohl Mut, berührt meine Schulter und sagt : "Welcome to my Country!, bevor sie in der Menge verschwindet. In der U-Bahn musste ich mal stehen, als eine sehr traditionell gekleidete Frau reinkommt. Sie schaut mich erst von oben bis unten an und sagt dann zu den Umstehenden irgendwas, was ich nicht verstehe. Ich habe den Verdacht, dass ihr mein Piratentuch und die am Hals offenen Bluse irgendwie nicht gefällt und sie mal gepflegt über mich ablästert. Aber weit gefehlt: ich bin hier Ausländerin und Gast in dem Land, deswegen weist sie eine Frau an, dass die gefälligst für mich aufstehen soll. Das ist mir jetzt aber doch total super peinlich und ich lehne mindestens 3x höflich ab. Das sind jetzt nur ein paar Beispiele, wie nett alle sind. Und die Männer absolut höflich und zuvorkommend. Sicher, das ist jetzt die Hauptstadt und auf dem Land wird es vielleicht anders sein. Wir werden sehen.
Also ich hoffe, dass euch das jetzt nicht zuviele Infos waren. Morgen fahre ich mit dem Radl zum Damavand und dann am kaspischen Meer entlang nach Mashad (mit einem Abstecher über die Berge nach Damghan und wieder zurück) - falls sich das jemand auf der Karte anschauen will. Sorry, dass ich jetzt so gar keine Fotos mitschicken kann, aber sonst geht das Mail wahrscheinlich nicht raus. Außerdem kommt dann ja keiner zu meiner Diashow, wenn ich vorher schon alles verschicke :-)
Ich werde für die nächsten mind. 2 Wochen kein Wlan haben und somit nichts schicken können. Also bitte ich um Geduld, bis ich wieder online sein kann.
Liebe Grüße
Anja
Anja
Noch was zum Thema U-Bahn-fahren ist mir eingefallen. Es gibt am Ende und am Anfang des Zuges Waggons nur für Frauen. Das ist besonders deswegen sehr angenehm, weil es da kühler und nicht so voll ist. Beim ersten Mal saß ich im Männerabteil und hab gedacht, ich krieg einen Hitzschlag. Ach ja, und in der U-Bahn wird von Haarspangen, über Unterhosen, Socken, Hosen, Schminkzeug, falschen Haarteilen bis zu Spitzen-BHs und -Höschen wirklich alles verkauft. Wenn da 3-6 verkaufende Frauen im Abteil sind, die lautstark ihre Waren anpreisen, versteht man sein eigenes Wort nicht mehr.
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